Es wird gelb. Ich trete auf die Bremse. Mein Auto kommt zum Stehen. Jetzt erst nehme ich sie wahr: Bestimmt vierzig bis sechzig Grundschulkinder, die abwarten, bis das grüne Signal kommt. Bestimmt waren sie  eben aus einem oder zwei Bussen gestiegen. Dann setzen sie sich in Bewegung. Ohne Hast, fröhlich, in das ein oder andere Gespräch vertieft. Kein Schupsen, kein Streit, keine Beleidigungen. Das fasziniert mich. Ich schaue ihnen noch eine Weile nach und fahre erst weiter, als das rote Licht der Bedarfsampel bereits mehrere Sekunden erloschen war. 

Es ist nur ein kleiner Moment mitten im Alltag, in dem ich noch vielen Menschen begegnen, Gespräche führen und Entscheidungen treffen werde. Und doch lässt er mich eine Weile innehalten und bringt mich ins Nachdenken: War wirklich früher alles besser? Steht es heute wirklich so schlecht um unsere Schulen und unsere Erziehung? Schaffen wir das wirklich nicht mit der Integration?

Meine Antworten fallen so aus: Nein, früher war nicht alles besser. Unsere Lehrerinnen und Lehrer meistern die riesigen Herausforderungen nach meiner Wahrnehmung sehr gut. Und ja, ich bin der Meinung, dass wir vieles in unserer Gesellschaft wirklich schaffen, gerade im Bereich der Integration.

Ich sehe allerdings auch, dass es für viele von uns sehr viel zu tun gibt und dass wir durchaus an Grenzen des Machbaren und an Grenzen unserer Kräfte gelangen.

Wenn mir dies bewusst wird, wünsche ich mir mehr solcher kleinen Momente mitten im Alltag, die mich ins Nachdenken bringen und mir etwas Gelassenheit und Freude schenken.

Und: Ich wünsche solche kleinen Momente auch Ihnen!

Ihr Cord-Michael Thamm