„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,28) Die drei weisen Männer aus dem Morgenlande samt ihrer Kameltreiber machen sich auf den Weg. Sie sehen auf und erheben ihre Häupter. Sie blicken zum Himmel und erkennen eine ganz besondere Sternenkonstellation, die etwas Großes verspricht, da sind sich die drei einig. Ein Erlöser, der Heiland für die ganze Welt, wird geboren werden. Und dies muss im Land des auserwählten Volkes Gottes geschehen, im Land Israels, und zwar in der Stadt, von der dies schon in den alten prophetischen Schriften geweissagt worden war: In Bethlehem. Die drei brechen auf und machen sich auf die mühsame, beschwerliche Reise gen Westen. Als sie ankommen, werden sie nicht enttäuscht. Sie finden das Kind in der Krippe liegen, in Windeln gewickelt und bei ihnen Maria und Josef.

Diese drei weisen Männer können uns Vorbilder sein: Mit dem, was sie an Vorbildung und Kenntnissen haben, ziehen sie Schlüsse, fassen Vertrauen und brechen auf. Diejenigen, die sie verlachen, lassen sie einfach zurück. Ihnen kann zu diesem Zeitpunkt nicht geholfen werden.

Trauen wir uns auch Vertrauen zu fassen und aufzubrechen? Vertrauen wir auch darauf, dass dort jemand sein wird, der uns Türen und Tor öffnet und uns Herberge gibt, wenn wir es nötig haben? Und gelingt es uns auch, so wir es warm und gemütlich haben, anderen die Türen zu öffnen und Herberge anzubieten? Ja, es gibt Menschen in unserer Gemeinde, die auf uns, unsere offenen Herzen und offenen Häuser angewiesen sind. Lasst uns diese wahrnehmen und einander „in Ehrerbietung zuvorkommen“, wie Paulus an die Gemeinde in Rom schreibt (Röm 12,10).

Adventszeit ist Bußzeit – die violetten Tapisserien in der Thomaskirche und die Antependien in der Matthäuskirche zeigen es uns an. Nehmen wir uns die Zeit, innezuhalten, in uns zu gehen und unser Leben neu auszurichten, indem wir unsere Blicke richten auf den, der uns Erlösung schenkt: Jesus Christus. Adventszeit ist auch Vorbereitungszeit. Bereiten wir uns vor auf das Kommen dessen, der da ist und der da war und der da kommt – manchmal in Gestalt einer seiner geringsten Brüder.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr

Cord-Michael Thamm