Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Werktag geht mein Radiowecker morgens um 6.35 Uhr an. Heute Morgen wurde ich auf „OS Radio 104,8“ mit einem Lied von Udo Lindenberg geweckt. Er singt: „Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komm‘ nur viel zu selten dazu.“

Ich lausche dem Text und denke bei mir: Ja, ist das nicht sehr häufig so? Kennen wir das nicht? Da rege ich mich über eine Sache oder einen Menschen auf, ärgere mich darüber und reagiere entsprechend genervt, was in der Situation nicht wirklich weiterhilft. Am Abend denke ich dann bei mir: „Eigentlich bin ich doch ganz anders.“ Daraus ist auch der Wunsch abzulesen, dass ich eigentlich den anderen, ja der Welt zeigen möchte, wie und wer ich nun wirklich und ehrlich bin! Warum tun wir uns damit denn so schwer?

Udo Lindenberg singt: „Ich hab so viel Termine.“

Geht es Ihnen genauso? Hindern Sie auch die vielen Termine daran, endlich mal zu zeigen, wer und wie sie wirklich sind?

Wir sind in unseren Gemeinden eingeladen, die Passions- und Fastenzeit zu nutzen, bestimmte Termine sein zu lassen, um Zeit zu haben, genau das zu zeigen – wie wir eigentlich sind. Dem Partner, der Partnerin, den Freundinnen und Freunden, den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen.

Die Hauptkonfirmandinnen und Hauptkonfirmanden haben es uns bei ihrem Vorstellungsgottesdienst am 24. Februar in der Thomaskirche vorgemacht: Zunächst trugen sie Masken. Während des Gottesdienstes nahmen sie die Masken ab und sagten: „Bei meiner Familie kann ich so sein, wie ich bin.“ Oder: „Bei meinen Freunden muss ich keine Masken tragen.“

Das macht Mut, es auch zu versuchen. Ich muss nicht jemanden spielen, der ich gar nicht bin. Ich darf das zeigen, was mich ausmacht und damit auch wuchern, indem ich dadurch andere beschenke und ihnen Freude mache. Jesus hat zu Lebzeiten die Menschen in Judäa und Galiläa dazu befähigt, sie selbst zu sein und sich nicht zu verstellen oder zu verstecken. Als auferstandener Herr befähigt er uns heute ebenfalls, unsere Masken abzulegen und einfach so zu sein, wie wir sind. Wer wir sind, steht bereits fest: Gottes geliebte Kinder und als solche Schwestern und Brüder in seiner Gemeinde. Zeigen wir es auch?             

Ihr Pastor Cord-Michael Thamm