Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. (Apg 2,1) Nicht in Tirol, nicht in Paris, nicht an der See. Aber eben beieinander! An einem Ort! So, wie wir heute. Möglicherweise war ihnen damals ähnlich zumute wie uns heute.

Auf der einen Seite leben wir doch aus dem Glauben. Wir wissen uns von Gott angenommen und geliebt. Dies haben wir in den unterschiedlichen Phasen unseres Lebens gespürt.

Auch leben wir von Ostern her. Der Herr ist erstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Das Leben siegt. Hoffnung setzt sich durch. Schuld ist vergeben. Ich habe nicht nur eine 2. Chance verdient. Ich erhalte sie auch. Ja, liebe Schwestern und Brüder, wir sind österliche Menschen.

Und dann trotzdem auf der anderen Seite:

Wir haben den Auferstandenen zwar gesehen. Wir wissen, dass der Tod besiegt ist. Hoffnung ist uns geschenkt. Doch beschleicht uns dann und wann eine Angst, eine Unsicherheit: Werde ich auch noch angesteckt vom Virus? Gibt es eine zweite Infektionswelle? Wird es nachhaltige, ja lang anhaltende soziale und wirtschaftliche Folgen dieser Krise geben?

Wenn wir jetzt alleine wären, würden diese Ängste, ja dieses Gefühl der Unsicherheit wohl unheimlich groß werden und uns nachts auch um den Schlaf bringen. Es wäre in der Tat unheimlich alleine daheim.

Doch sind wir alle an einem Ort beieinander. Heute beim Gottesdienst in der Thomaskirche. Und zuhause diejenigen, die den Gottesdienst mit den Gebeten feiern, die wir auf der Homepage zur Verfügung stellen und die dort diese Predigt lesen – heute.

Alle? Ja alle. Auch damals in Jerusalem war nicht die gesamte Weltbevölkerung, auch nicht die gesamte Jerusalemer Bürgerschaft gemeint. Mit Alle bezeichnete Lukas schlicht: alle, die ihm nachfolgten, seine Jünger, die Elf und Matthias, der per Losverfahren den elf Aposteln zugeordnet worden war. 

Es geht also um diejenigen, die Jesus Christus bereits kennen gelernt haben, erfahren haben in ihrem bisherigen Leben. Die verstanden haben, wer er war und wer er ist und wer er sein wird für sie persönlich und für die ganze Welt. Diese sind beieinander – an einem Ort.

So – wie – wir – an – diesem – Vormittag.

Und da reichen nach dem Jesus-Prinzip erst einmal 12 Menschen. Und wir heute sind sogar …

Da geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und der Geist, der Heilige, setzte sich wie Feuerzungen auf einen jeden von ihnen. Und sie wurden alle erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apg 2,2-4)

Heureka. Halleluja. Volltreffer. Da ist er – wie verheißen, jetzt erfüllt.

Auch hier in der Thomaskirche – schaut auf die Tapisserie, die in der Mai-Sonne erstrahlt. 

Nun ist nicht mehr Jesus Christus an der Reihe (er ist noch da, aber in diesem Moment nicht an der Reihe). 

Johannes der Täufer hatte bei Jesu Taufe am Jordan, wie der Evangelist Matthäus überliefert (Mt 3,11): „Ich taufe Euch mit Wasser zur Buße – er wird Euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Das ist es, was heute passiert – wir werden mit dem Feuer, ja mit dem Heiligen Geist getauft. Und das befähigt uns, je in unserer Sprache, mit unseren Geschichten, so, wie uns der Schnabel gewachsen ist, die gute Botschaft von der Liebe, die stärker ist als der Tod, von der Hoffnung, die uns durch diese Krise trägt, vom Glauben, der uns Bäume versetzen lässt zu reden. Jetzt sind wir an der Reihe.

Hier in der Thomasgemeinde wissen wir, was damit gemeint ist: Hier wurden keine Bäume versetzt, aber Kreuze. Das große Holzkreuz, auffgestellt 1965 als Zeichen für das ferne Ziel, eine eigene Kirche zu bauen, wurde gegen diese wunderbare Thomaskirche ausgetauscht mit diesem lichtdurchströhmten kleinen Turm, auf dem nun ein wetterfestes Metall-Kreuz prangt und im Sonnenlicht leuchtet. 

Das Kreuz, das der erste Pastor dieser Gemeinde, mein Vorgänger Pastor Junge eigenhändig gefertigt hat und das 36 Jahre bis zur Fertigstellung des Neubaus im früheren Kirchsaal am Altar diente, steht nun im heutigen Gemeindesaal. Bei Menschen, die in diesen 36 Jahren hier zum Kindergottesdienst oder zum KU gegangen sind, kommen sofort lebhafte Erinnerungen hoch, wenn sie nach Jahren erstmals wieder hier in den Gemeindesaal treten. Heute nun haben wir dieses neue, im Stile von Ambo und Altar gestaltete Kreuz, um das wir uns – wie heute – als Thomasgemeinde versammeln.

Nun hat die nächste Generation mit Kraft und Plan, in guter Gemeinschaft, begonnen, die nächsten Bäume zu versetzen – und dieses Mal im Keller begonnen: Die Aufenthaltsräume, die in diesen 36 Jahren reichlich genutzt wurden, für Jugendgruppen und Kindergottesdienst, für den Handarbeitskreis und das Bibelgespräch – die konnten seit der Einweihung der Kirche im Jahr 2001 nicht wirklich mehr als solche verwendet werden. 

Diese neue Generation – Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, der Baubeauftragte und weitere – hat sie zu reinen Lagerräumen umgebaut. Ein Hubwagen wurde angeschafft und vor wenigen Tagen nun auch die neue Schließanlage – ein Schlüssel für alle Türen, die ich aufschließen muss – wie wunderbar.

Dieser Bauabschnitt ist damit abgeschlossen – Heureka, Halleluja, Volltreffer. 

Nun geht es um die Umgestaltung des Bereiches im EG, damit die Jugend wieder einen Raum erhält, damit wir Menschen mit mobiler Beeinträchtigung nicht mehr von einem Gang zur Toilette ausschließen müssen, damit es eine kommunikative Küche geben kann – wir glauben nämlich, dass es eine Zeit nach dieser Krise geben wird, in der all dies wieder gebraucht wird, und zwar intensiv, um die Menschen hier in der Dodesheide zu stärken, ihnen Orientierung zu geben und sie dafür zu begeistern, sich für andere einzusetzen.

Machen wir also unsere Münder auf und sprechen wir darüber, so, wie uns der Schnabel gewachsen ist – über die Liebe, die stärker ist als der Tod, über die Hoffnung, die uns durch diese Krise trägt, über den Glauben, der uns Bäume versetzen, ja der uns Neues entstehen lässt.

Amen