Liebe Gemeinde, der Weg ist das Ziel, nicht wahr? Das haben wir alle wohl schon einmal gehört. Da steckt doch auch eine Wahrheit drin. Doch ist es nicht genauso wahr, dass es ohne ein Ziel auch keinen Weg gibt? Wenn ich ziellos umhergehe, dann laufe ich Gefahr, mich zu verlieren. Aus diesem ziellosen Umhergehen könnte ein mich erschöpfendes Umherirren werden, an dessen Ende alles sinnlos erscheint und ich verzweifle.

Mich faszinieren die Pilger. Ich begegne vielen, seitdem ich mit meiner Familie in Engter lebe. Engter liegt an der Via Baltica, dem Jakobsweg, der aus dem Baltikum über Bremen, Osnabrück, später über Frankreich, schließlich nach Santiago de Compostela in Nordwestspanien führt. Die Kirchengemeinde in Engter hat im Gemeindehaus eine kleine Pilgerherberge eingerichtet. Und so standen in diesem Sommer schon häufig Gruppen und auch Einzelgäste und Pärchen bei uns vor dem Pfarrhaus und erzählten von ihrem Weg. Das Ziel ist immer Santiago. Sonst gäbe es diesen Weg ja auch gar nicht. Und dieses Ziel gibt dem ganzen Weg einen Sinn. Ständig ist im Blick der Herrenbruder Jakobus. Der war nicht einer der 12 Jünger gewesen. Vielmehr bekehrte er sich erst zum neuen Glauben, nachdem er seinem leiblichen Bruder Jesus als Auferstandenem begegnete. Dann leitete er über 20 Jahre die Jerusalemer Gemeinde, bevor er einen Märtyrertod starb. Später wurden seine Gebeine in Santiago beigesetzt, womit die Tradition begann, dort, zu seinem Grab zu pilgern. Es fasziniert die Menschen, dass schon seit über 1000 Jahren auf diesem Weg quer durch Europa Menschen gegangen sind und die Kirchen und Kapellen entlang des Weges aufsuchten, um dort zu beten – ja, und um die Menschen zu treffen.

Natürlich gehen die meisten immer auch nur einen Abschnitt. Das Pärchen, mit dem ich mich vor einigen Tagen unterhielt, war 10 Tage unterwegs Sie sind in Bremen gestartet und wollten nach der Übernachtung in Engter am vergangenen Montag dann weiter nach Osnabrück, wo sie wieder in den Zug steigen wollten. Sie werden hier oberhalb der Vehrter Landstraße im Nettetal entlang gegangen sein.

Ja, das fasziniert mich. Der Weg ist das Ziel. Doch ohne Ziel gibt es auch keinen Weg.

Emilia, Leah und Johanne Lotta befinden sich auch auf einem Weg. Sie sind unterwegs auf ihrem Lebensweg. Mit der Taufe heute wird ihnen die Perspektive eines wunderbaren und lohnenden Ziels ihres Weges geschenkt: Anzukommen bei Gott, der ihr Vater ist im Himmel und der schon jetzt, heute in diesem Gottesdienst zu ihnen sagen wird: „Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“

Und Gott rüstet die drei aus mit dem wichtigsten, was sie in ihrem Leben brauchen werden: Nämlich mit dem Zuspruch: „Du bist wertvoll und unendlich wichtig. Ich habe Dich schon geliebt, als ich Dich bereitete im Mutterleib. Und ich werde immer da sein und meine Liebe zu Dir wird niemals aufhören. Vergiss das nie.“

Zu Dir, Emilia, spricht Gott: „Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hinziehst.“ 

Da wird ganz deutlich, dass Gott mitgeht auf Deinem Lebensweg und bei Dir ist, wohin Du auch aufbrechen wirst.

Zu Dir Leah, sagt er: „Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Hier wird darüber hinaus deutlich, dass Gott sogar seine Engel sendet, um da zu sein, damit Dir nichts Schreckliches widerfährt. Glaube daran, dass sie da sein werden, aber sei bitte auch nicht leichtsinnig und fordere die Engel und Gott nicht heraus. Die Naturgesetze werden in der Regel nicht außer Kraft gesetzt!

Und zu Dir, Johanne Lotta, naja eigentlich zu uns allen, sagt Gott durch seinen Sohn Jesus Christus: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Das klingt für mich auch nach Ziel. Nach einem richtig schönen und sinnvollen Ziel sogar. Es soll nicht dunkel bleiben in der Welt, in unseren Häusern, in den Herzen der Menschen, in den Beziehungen. Nein, ganz im Gegenteil! Es soll hell werden. Das Licht soll leuchten. Die Lichter sollen brennen. Und wir sind das Licht der Welt, weil Jesus es uns durch die Taufe geschenkt hat. Wir dürfen und sollen dieses Licht, das uns geschenkt wurde, in dem und durch das wir leuchten, weitergeben. Symbolhaft tun wir dies gleich mit den Taufkerzen. Wir werden sie an der Osterkerze entzünden. Dabei werden wir das Wort Jesu hören: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern der wird das Licht des Lebens haben.“

Und nicht nur das. Die Leute sollen es auch sehen. Damit sind die Leute gemeint, die Jesus Christus und den liebenden Vater im Himmel noch nicht kennen. Genau sie sollen dieses Licht, das wir in der Welt verbreiten, sehen. Und daraus ergibt sich dann eine Gotteserkenntnis. Und einige von diesen Leuten werden dann in der Tat beginnen, unseren Vater im Himmel zu preisen – so wie wir es eben in dem Lied gemacht haben: „Einfach spitze. Komm, wir loben Gott, den Herrn!“

Das vor Augen ist doch ein wirklich schönes und erstrebenswertes Ziel. Da bekommt man doch Lust loszugehen. Loszugehen auf den spannendsten aller Wege – auf den Weg des eigenen Lebens. Amen