Beginn mit dem Segen
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“ (Num 6,24-26)
Nein, ich bin nicht aus Versehen ans Ende des Gottesdienstes gerutscht, habe mich verlesen und bin schon beim Segen angekommen, wo doch erst die Predigt dran ist.
Der Segen ist heute die Predigt. Der Segen, der uns am Ende des Gottesdienstes zugesprochen wird. Die Segensworte, die vielen von uns so sehr vertraut sind.

Der Segen – Ein Text der Bibel, eine Aufgabe der Priester
Der aaronitische Segen ist heute der Predigttext.
Aaronitisch – so heißt der Segen, weil es Aarons Segen ist. Aaron ist der Bruder von Mose und Priester des Volkes Israel. Aaron und seine Söhne sind, zusammen mit den Leviten, die Priester.
In der Bibel gibt es eine ganze Reihe von Ordnungen und Regeln, die für die Priester aufgestellt werden. Viele davon kann man im 4. Buch Mose lesen. Dort steht auch der Segen. Und das bedeutet:
Der Segen ist eine wichtige Aufgabe des Priester im Volk Israel. Segnen gehört – so würde man es heute vielleicht in einem Berufsprofil beschreiben – zur Kernkompetenz der Priester. Ein Priester, der nicht segnet? Aufgabe verfehlt!
Gott ist es ein Anliegen, dass die Priester sein erwähltes Volk Israel segnen. Er will, dass seine geliebten Menschen gesegnet werden.
Und so lesen wir im 4. Buch Mose, Kapitel 6:

„Und der Herr redete mit Mose und sprach: ‚Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Kindern Israels, wenn ihr sie segnet:
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne.‘“ (Num 6,22-27)

„Sie sollen meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne“ (Num 6,27) – das ist Gottes ausdrücklicher Wunsch.
Gott wünscht sich, dass die Menschen gesegnet werden. Er wünscht sich, dass die Priester den Menschen seinen Segen zusprechen.

Was ist Segen?
Segen ist, im Kern, ein guter Wunsch. Beim Segnen spreche ich anderen aber nicht einfach nur gute Wünsche zu wie bei einem Toast.
Beim Segnen lege ich diesen guten Wunsch in Gottes Hände.
Nicht ich bin es, der segnet. Gott ist es.
Ich wünsche dir Gottes Segen – möge sie dir diesen Wunsch erfüllen!
Nicht an mir liegt die Kraft des Segens. Gott gibt dem Segen Kraft.

Und so erleben viele Menschen den Segen als wahre Kraftquelle! Wir erleben den Zuspruch und den Segen als erfüllend, befreiend, ermutigend, entlastend … und so viel mehr.

Wie erlebst du den Segen?
Wer spricht dir Segen zu?
Wen hast du gesegnet?

Gesegnet und bestärkt fassen wir guten Mut.
Wir fühlen uns behütet und bewahrt.
Wir leben mit Gottes Zuspruch an uns.

In der Bibel wird so mancher Kampf um Gottes Segen ausgetragen.
Jakob ringt am Fluss Jabbok mit Gott – „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Gen 32,27) – und erkämpft sich den Segen.
Bileam wird bestochen und soll Israel verfluchen und segnet das Volk schließlich doch – weil Gott und Bileams Eselin eingreifen (Num 22-24).
Wir müssen nicht um Segen kämpfen. Gott will, dass wir gesegnet sind und selbst zum Segen werden. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12,2), spricht Gott zu Abraham und seither zu jedem Kind.

Gedanken zu Trinitatis
Heute ist der Sonntag Trinitatis. Wir feiern etwas, was wir kaum verstehen können, was nicht logisch ist und eines der größten Geheimnisse unseres Glaubens.
Heute ist Trinitatis. Heute feiern wir, dass Gott drei und doch einer ist: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Über diese Gleichung haben sich Kirchenväter, Philosophen und Theologinnen jahrhundertelang den Kopf zerbrochen und tun es bis heute.
Bahnbrechend ist die Formel, die diesen Gedanken vereint: Tri-nitatis. Heißt: Tri und Unitas. Heißt: Drei und Einheit. Heißt: 3 = 1.
(Aber nur für Christen, nicht für Mathematiker!)

Was bedeutet dieses Dogma für meinen Glauben? Im Zweifel lautet die Antwort: Gar nichts.
Für meinen Glauben sind die dogmatischen, theologischen, kunstvoll ausgearbeiteten Gedankenmodelle nicht entscheidend. Vielleicht kann ich sie überhaupt nie verstehen. Sie helfen mir nicht, das Eigentliche zu begreifen.
Denn das Eigentliche ist, so glaube ich, dass Gott mit uns in Beziehung treten will. Das kann ich nicht verstehen. Das kann ich nur erfahren.

Gott, unser Vater und Schöpfer ruft: „Mensch, wo bist du?“ (Gen 3,9) Er ruft Adam und Abraham, Mose und Jona. Und lässt nicht locker.
Gott tritt leibhaftig in Kontakt zu uns. In seinem Sohn Jesus ist er Mensch und geht Beziehungen ein zu allen, mit denen sich sonst keiner abgibt.
Und zuletzt wirkt Gott in uns. Sein Geist in uns begeistert uns. Mit Gott in uns treten wir in Beziehung zueinander.

Gott will in Beziehung zu uns treten – Segen ist Beziehung
Und Gott will in Beziehung zu uns treten. Das hat er schon immer getan. Das drückt der Segen aus, den Aaron erstmals ausgesprochen hat:
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So sollt ihr meinen Namen auf meine Kinder legen, dass ich sie segne.“ (Num 6,22-27)

Gott will in Beziehung zu uns treten. Der Segen ist kein abstraktes: „Hiermit erteile ich Ihnen … blablabla.“
Der Segen heißt: Gott geht eine Beziehung mit uns ein. Er sagt „Ja“ zu uns, zu seinen Kindern.

Heute liegt es (zum Glück!) nicht mehr allein beim Priester oder der Pastorin zu segnen. Jeder kann, jede darf segnen.
Das heißt nicht, dass wir mit dem Segen leichtfertig umgehen sollen.
Aber es heißt: Jede von uns darf Menschen segnen! Jeder von uns darf anderen Menschen Gottes Segen wünschen.

Der Segen ist das Zeichen, dass wir zu Gott gehören. In der Taufe sprechen wir unseren Kindern dieses Zeichen zu und sagen: „Du bist ein Kind Gottes!“
Wie es schon Gott selbst sagte: „So sollt ihr meinen Namen auf meine Kinder legen, dass ich sie segne.“ (Num 6,27)

Ihr seid Kinder Gottes!
Seid gesegnet!
Und:
Seid Segnende!

Amen.

Pastor Groeneveld