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Predigt zum Sonntag Kantate

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – Ein Klassiker. Eines der Lieder, die wir in dieser Jahreszeit normalerweise oft und gerne singen.

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.
(EG 503, Str. 1)

Wir dürfen wieder Gottesdienste in der Kirche feiern. Und wir tun dies auch. Trotz der Einschränkungen. Trotz der Regelungen.

Wir feiern Gottesdienst, nicht mehr nur am Telefon und im Internet, nun auch wieder in unserer Matthäuskirche.

Wir feiern wieder Gottesdienst in der Kirche. Aber eine große Lücke bleibt. Ausgerechnet das Miteinander Singen, das viele Menschen gegenseitig ermuntert und stärkt, ist das, was Menschen unter den aktuellen Umständen gesundheitlich gefährdet.

Die Gemeinde mit Mundschutz und stumm. Ein ungewohntes Bild. Aber es ist nicht trostlos! Es ist hoffnungsvoll! Denn langsam und Schritt für Schritt kehrt Leben zurück. Mit allem, was dazu gehört.

Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.
(EG 503, Str. 8)

Es tut gut, dass wir uns Schritt für Schritt wieder mehr erlauben und trauen. Bei aller Vorsicht, mit aller Verantwortung.

Denn das war heftig, was der Lockdown, das Stilllegen des öffentlichen Lebens, mit mir gemacht hat. Leere Straßen. Alles schließt. Im Kindergarten fehlt das Lachen der Kinder, die dort spielen. Das hat mich echt ’runtergezogen. Klar.

Highlight des Tages war der Spaziergang. Nach draußen gehen, in die Natur, auf die Straßen. Wahrhaftig sehen, dass das Leben weitergeht und nicht alles in einer dunklen, einsamen Blase verschwindet.

Und wenn ich draußen war, begegnete mir Musik: Etwas zu laut durch Kopfhörer. Ein fröhliches Pfeifen und Strahlen im Gesicht, trotzdem. Die Vögel mit ihren Liedern von den Bäumen.

Und gleich macht das Herz einen Sprung, die Laune steigt, und ich merke mal wieder, welche Kraft die Musik hat. Wohltuend, lindern, tröstend. Kräftig, stark, hoffnungsvoll.

Heute ist der Sonntag Kantate. Das heißt: „Singt!“. Ausgerechnet. Singen im Gottesdienst, das dürfen wir noch nicht.

Aber wir dürfen Musik hören, Melodien genießen, Zuhause singen. Und können uns damit selbst Gutes tun. Musik und Lieder helfen uns. Egal, wie schief wir singen.

Wie stark Musik ist, das haben die Bilder aus Italien gezeigt. Die Menschen und das Land wurden besonders hart von der Pandemie getroffen. Die Ausgangssperre sollte das schlimmste vermeiden. Und trotzdem sind viele Menschen gestorben.

Aber selbst in der Stille der italienischen Städte steigt immer wieder ein Chor, ein Konzert, ein herzerwärmendes Lebenszeichen nach oben.

Alle paar Stunden, irgendwo im Land, stellen die Menschen sich auf ihre Balkone oder an ihre Fenster und stimmen Lieder an, alle miteinander, über Straßen und Plätze, manchmal begleitet von improvisierten Schlagzeugern, die sich mit Pfannen behelfen, mal von Trompetern zweifelhafter Güte, mal von richtig guten Tenören und Gitarrenspielern. Jeder mit seinem Talent (Vgl.: sueddeutsche.de, „Mit Gesang und Tröten gegen die Isolation“ von Oliver Meiler).

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im 2. Buch der Chronik. Darin wird uns erzählt, wie die Einweihung des Tempels unter König Salomo lief und wir erkennen eine gewisse Ähnlichkeit zu den Szenen aus Italien. Wir hören aus dem 5. Kapitel im 2. Buch der Chronik, die Verse 11-14:

„Alle Priester … und alle Leviten, die Sänger waren, … standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.“ 
(2.Chr 5,11‑14 i.A.)

Ein total bunter, gemischter Chor. Alle musizieren mit. Singen, spielen Instrumente. Egal. Hauptsache, sie machen mit.

„Es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme Gott loben und danken.“

Der Text erzählt von der Einweihung des Tempels. Lange war man vorher damit zufrieden, „nur“ ein Zelt zu haben. Doch irgendwann sollte was Prächtiges her.

Ich weiß es nicht. Aber wenn es nach Gott gegangen wäre, hätte er vielleicht noch weiter gecampt. „Wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen.“ (2.Chronik 2,5)

Auch wenn wir nun wieder zu Gottesdiensten in unsere Kirchen einladen, können wir uns sicher sein: Gott lässt sich nicht in unsere Gebäude einsperren.

Gott begegnet uns nicht nur in der Kirche. Er begegnet uns überall. Zum Beispiel in der Musik. Da bin ich mir sicher, wenn ich an die Kraft der Musik denke, was sie in mir auslöst.

Und tatsächlich begegnet Gott uns immer wieder, wenn wir gar nicht damit rechnen. Wer weiß, vielleicht macht Gott ja auch gerade Home Office:

Steht auf’m Deich und schaut auf’s Meer. Geht im Wald spazieren und hört die Blätter im Wind rauschen. Oder sitzt mit uns im Garten, sieht die Blumen blühen, während die Vögel zwitschern.

Gott ist bei uns, wo wir auch sind. Das glaube ich.

Amen.

Pastor Groeneveld

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