„Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.
Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: „‘Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‘ – spricht der Herr.“
Im Gegenteil: „Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.“
Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Römer 12,17-21)

So der Predigttext heute. Aus Paulus‘ Brief an die Römer.
Das ist der Beginn der Predigt heute und eigentlich könnte das doch auch schon das Ende der Predigt sein.
Was soll ich da noch hinzufügen?

„Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.“Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,17+18+21)

Eigentlich gibt’s da nichts hinzuzufügen.

Aber Menschen haben diesen Worten über die Jahrhunderte etwas hinzugefügt. Dabei ist Paulus‘ Ansinnen so simpel wie erstrebenswert:
Böses nicht mit Bösem vergelten. Das Böse durch das Gute überwinden. Und – soweit es uns möglich ist und an uns liegt – mit ihnen im Frieden leben.

Menschen haben diesen Worten über die Jahrhunderte etwas hinzugefügt.

Böses. Nicht Gutes.
Hass. Nicht Frieden.
Menschen haben den Tod gewählt. Nicht das Leben.

Coldplay – Death and all of his friends

Aber immer wieder trotzen Menschen dem Bösen.
Immer wieder findet Paulus Nachfolger und Nachfolgerinnen, die seine Sehnsucht teilen. In Worten und Taten. Mit Liedern.
Ein Lied von Coldplay ist mir präsent: „Death and all of his friends”. Der Tod und all seine Freunde. Das Lied hat wenig Text, braucht nur wenige Worte. Diese sind dafür umso eindrücklicher:

„No I don’t want to battle from beginning to end.
I don’t want a cycle of recycled revenge.
I don’t want to follow Death and all of his friends.“
(Coldplay – Death and all of his friends)

„Nein, ich will nicht vom Anfang bis zum Ende kämpfen.
Ich will keinen Kreislauf der Rache.
Ich will nicht dem Tod und all seinen Freunden folgen.“
Eine trotzige Sehnsucht, ein hoffnungsvoller Wunsch:
Kein Kämpfen. Kein Tod. Keine Rache.

Die Sache mit der Rache. David und Josef.

Die Rache. Bei Paulus hat sie seinen Platz.
Er entzieht die Rache uns Menschen.
Und überlässt sie Gott.
Wohlahnend, dass die Rache ein zutiefst menschliches Gefühl ist, das der Mensch nur zu oft auslebt und Realität werden lässt.
Wohlwissend, dass er einen Gott predigt, der liebt.

Paulus wischt die Rache fort. Hinein in Gottes Hände.
Denn die Rache ist dunkel und hässlich.
Stattdessen zieht Paulus die Liebe heran. Liebe ist süß und hell.

„Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.“ (Röm 12,20)

Was für ein Bild das ist! Liebe, die sich anfühlt, wie glühende Kohlen auf meinem Kopf.
Das ist das Gefühl der Reue.

Paulus hat nicht erfunden. Er zitiert aus dem Buch der Sprüche, aus der Weisheit des Alten Testaments. Er zitiert das Judentum, die Religion, in der er aufgewachsen ist.

Paulus ist aufgewachsen mit der Geschichte Davids, der sich in der finsteren Höhle versteckt. David, der noch kein König ist, sondern fliehen und um sein Leben fürchten muss.

Sein Feind ist Saul, der König. Er, sein Feind, taucht in der Höhle vor David auf, nur wenige Meter entfernt von ihm.

Jetzt ist die Gelegenheit, den zu töten, der ihn töten will. David zieht sein Schwert. Spürt es kalt und schwer in seiner Hand. Schlägt zu.

Und dann hält er ein Stück von Sauls Mantel in der Hand. Er verschont ihn. Sieht zu, wie er die Höhle wieder verlässt.

Paulus ist aufgewachsen mit der Geschichte Josefs, den seine Brüder als Sklaven verkauft haben. Aus Neid, Eifersucht, Hass. Josef, mit dem Gott und die Geschichte es gut meinen. Der nun ein mächtiger Mann in einem fremden Land  ist.

Seine Brüder fallen ihm in die Hände. Er kann über ihr Leben entscheiden. Sie fürchten sich. Betteln um Vergebung. Aber Josef vergibt ihnen. „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (Gen 50,20)

Jesus, der Splitter und der Balken.

Auch Jesus wächst mit diesen Geschichten auf.
Mit Geschichten, die den Kreislauf der Rache durchbrechen. 
Geschichten von Menschen, die Böses durch Gutes überwinden.
Menschen, die das Leben wählen und nicht dem Tod folgen.

Davon predigt Jesus.

Davon handeln die Erzählungen, die uns von ihm überliefert sind.
Jesus rettet die Frau, die die Ehe gebrochen hat. Die zum Tod verurteilt ist. Er rettet sie, weil es keinen gibt, der selbst ohne Fehltat ist.
Jesus rettet die Prostituierte, den Zolleintreiber, den Soldaten.
Er rettet sie mit der Botschaft der Liebe, die das Böse überwindet, die stärker ist als der Tod.

Und Jesus hält uns den Spiegel vor.
Er kennt den Splitter im Auge meines Gegenübers.
Aber er sieht auch den Balken in meinem Auge.

Anleitung zum Scheitern und trotzdem Versuchen

„Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.“Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,17+18+21)

Eigentlich gibt’s da nichts hinzuzufügen, habe ich am Anfang gesagt und habe es nun doch gemacht. Weil die Geschichte nicht zu Ende erzählt ist. 

Weil die Geschichten nicht zu Ende erzählt sind. Weil auch wir noch viel hinzuzufügen haben.

Josef, der seinen Brüdern großmütig vergibt, hat sich zuvor für besser als sie gehalten und sich ihren Neid redlich verdient.

David, der seinen Feind gnädig verschont, wird später als König Ehe brechen und einen Mann in den Tod schicken.

Und trotzdem halte ich daran fest:

Nein. Ich will keinen Kreislauf der Rache.
Ich will nicht dem Tod und all seinen Freunden folgen.
Ich will das Leben wählen. Ich will das Gute tun.
Es wenigstens versuchen. Soweit es möglich ist.

Ich werde scheitern. Immer wieder.
Und ich werde es immer wieder von Neuem versuchen.
Ich kann das tun, weil ich getauft bin und dieser Trost bleibt, so oft ich auch scheitere und es wieder versuche:

Wir haben einen Gott, der gnädig ist und barmherzig.
Wir haben einen Gott, der liebt.
Wir haben einen Gott, der tröstet.

Amen.

Pastor Groneveld

Der erste Vers, den wir in der Lesung gehört haben, hört sich auf Hebräisch so an: „Mi-El ka-mo-cha    No-Sche A-On“ – wo ist ein Gott, wie Du es bist, der die Sünde vergibt? Die Kurzform der Frage „Wer ist wie Du, Gott?“ wurde dann zum Prophetennamen. Aus „ka-mocha“ wurde Micha. Sein Buch ist als Drama mit verschiedenen Rollen gestaltet. Die Kapitel 6 und 7 bilden den 2. Akt, einen Rechtsstreit Gottes mit seinem Volk. Gottes Rolle wandelt sich dabei vom Streitgegner zum Retter des Volkes.

Die Antwort auf die besagte Micha-Frage „Wer ist wie Du, Gott?“ lautet einfach: Niemand. Kein anderer Gott ist Du, Gott, Lebendiger!

Du bist ein Gott, der Schuld erlässt, denen, die geblieben sind.

Du bist ein Gott, der Gefallen hat an Gnade!

Du bist ein Gott, der sich unser erbarmt und all unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen wird.

Ich denke an diesen denkwürdigen Roman, der wie kein zweiter in diese Zeit passt, den ich in den zurückliegenden Wochen der „Corona-Zeit“ gelesen habe. Sein Titel ist:

„Der Wal und das Ende der Welt“. Geschrieben hat ihn John Ironmonger, der in Cornwall lebt.

Joe, ein junger, erfolgreicher Investmentbanker aus der City of London, lebt in einer Welt, in der täglich Millionen Pfund, Euros und Dollar bewegt werden. Seine Abteilung gewinnt immer dann riesige Summen und streicht sie ein, wenn andere große Verluste machen. Das ganze nennt sich „Leer-Verkäufe“ und ist für den Laien, zu denen ich mich auch zähle, sehr schwer zu verstehen, geschweige denn, nachzuvollziehen. Diese Methode scheint in der Tat auch in der realen Welt in irgendeiner Weise legal zu sein. Legitim und ethisch ist sie m.E. nicht. Die Freude ist in dieser Abteilung also immer riesig groß, wenn wieder eine Firma zunächst hochgeputscht wurde – und dann alle erworbenen Aktien auf einen Schlag verkauft wurden und die Aktie ins Bodenlose fällt. Dann knallen die Korken. Prämien werden an alle Mitarbeiter*innen gezahlt. Die größten, schicksten und PS-stärksten Autos werden gekauft. Natürlich verkehrt man nur unter seinesgleichen – in der City of London.

Jack gehört aber gleichzeitig auch zu den begabtesten und pfiffigsten im gesamten Team. Zudem beschäftigt er sich auch mit anderen, auch kritischen Ansätzen. Und er entwickelt ein sehr komplexes Computer-Programm, das bei seiner Vollendung schließlich in der Lage ist, passgenaue Vorhersagen für große, globale Krisen treffen kann. An einem Tag schwirrt ihm der Kopf. Die ganze Sache wird ihm zu heiß. Er kann sie weder kontrollieren, noch einhegen. Alles nimmt seinen Lauf. Und er nimmt reißaus.

Ich möchte nicht zu viel verraten – doch findet er sich kurze Zeit später nackt, angespült an einem Strand in Cornwall wieder. Seine Flucht aus dieser sündenbeladenen Welt in der City of London wird schließlich eine Reise ins Leben, zu den Menschen, zu den guten und menschlichen Seiten des Lebens, schließlich zu sich selbst.

Er wird schließlich gehören zu denen, die viel Schuld auf sich geladen haben, dann aber geblieben sind (und eben nicht davon weggelaufen sind) und so weiterhin zum Rest des gesegneten Volkes Gottes gezählt werden – ihnen wird ihre Schuld erlassen. So hat es der Prophet Micha – „wer ist wie Du, Gott?“ – für uns alle, für alle Zeiten vorhergesagt.

In der Tat wird Joe genau dieses erfahren: Was alles im Leben – Ihr Lieben: Wir haben nur eins! – an Gutem geschehen kann, wenn wir diesem Gott – „wer ist wie Du?“ –  vertrauen, ihn an seine Verheißung, seinen Schwur erinnern, den er Jakob und Abraham erwiesen hat – so wie Micha es tut. Wenn wir als Gesegnete diesen Segen weitergeben. Und Segen bedeutet Leben und Lieben und Annehmen und Glauben und Gelingen und Wunder geschehen lassen.

So erleben Joe und die, die ihn am Strand gefunden und ihn so gerettet haben, nicht nur ein Wunder. Vor allem werden ihnen allen die Augen geöffnet – für das, was wirklich zählt im Leben – Mitmenschlichkeit, soziale Bindungen, neue Aufbrüche, neue Perspektiven und, was das wichtigste ist: Genug für alle!

Hört sich das an wie eine Utopie?

Nun ja, das geht natürlich nur mit uns – zunächst müssen auch wir unser Leben, das private wie gesellschaftliche und globale, auf den Prüfstand stellen. Dann müssen wir das ändern, was nicht diesem Ziel, Gottes Geboten zu Gerechtigkeit und Frieden, dient. Dann müssen wir einmütig einräumen, dass auch wir gesündigt haben und aktuell sündigen. Dann müssen auch wir unsere Haltung ändern, ja umkehren, wie Johannes der Täufer es am Jordan gepredigt hat: Metanoeite! Kehret um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Und es geht natürlich nur mit diesem Gott „wer ist wie Du, Gott“, der uns Menschen – ohne, dass dafür ein Opfer dargebracht werden müsste – die Sünde vergibt, ja, der Gefallen hat an der Gnade, ja daran, dass Wunder geschehen, das Menschlichkeit sich durchsetzt und dass nach der Krise das Leben, das pralle Leben, das nicht auf Kosten anderer lebt, konkrete Gestalt annimmt.

Sein Geist möge uns auf diesem Weg in die neue Zeit führen und leiten, uns inspirieren und so die veränderte Haltung zu konkreten Taten und Handlungen werden.

Amen

Die Liebe hat ganz viel mit dem Glauben zu tun. Echte Liebe liebt, auch wenn sie dafür nichts zurückerhält. Echte Liebe spricht nicht nur Worte, sondern kommt ins Handeln. Sie tut das Gute, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie tut nichts aus Furcht. Sondern sie vertreibt die Furcht.

Dem Glauben ist nichts egal. Der Glaube glaubt an das Gute – auch gegen den Augenschein. Im Glauben weiß der Mensch sich geborgen bei Gott, ja von Guten Mächten wunderbar geborgen. Aus dem Glauben wächst das Urvertrauen. Es ist das Vertrauen, das mich atmen lässt, das mir Mut macht und mich gewiss macht, dass es morgen wieder besser sein wird – und wenn nicht morgen, dann aber sicher übermorgen. Der Glaube beginnt einfach mit dem Neuen, mit dem noch nicht Probierten, nicht übermütig, aber eben mutig und besonnen!

So kann Johannes treffend von beidem schreiben: Dem Glauben und der Liebe:

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. (1 Joh 4,16b-19)

Ja, lasst uns lieben, denn er, Gott selbst, hat uns zuerst geliebt.

Fürchten wir uns also nicht. Nicht vor dem Virus. Nicht vor einer zweiten Welle. Nicht vor wirtschaftlicher oder sozialer Not. Wir sind als Christinnen und Christen geborgen in und bei Gott. Durch seinen Sohn Jesus Christus erhalten wir immer, ja immer wieder, wenn es denn nötig wird, eine zweite Chance. Am Kreuz hat er für alle Menschen und für alle Zeiten dafür gesorgt. Nie wird das Leben zu Ende gehen. Es wird sich winden, manchmal von Stürmen hin und her geworfen, aber es wird nie ausgelöscht werden. Die Liebe wird sich immer wieder durchsetzen gegen die Zerstörung und das Leben gegen den Tod. Der Geist wird jede und jeden von uns beflügeln auf diesem Weg des Lebens. Er wird uns beflügeln zu Taten der Liebe und zum Glauben gegen den Augenschein und zu einem besonnenen Weg aus der Krise.

Amen

Beginn mit dem Segen
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“ (Num 6,24-26)
Nein, ich bin nicht aus Versehen ans Ende des Gottesdienstes gerutscht, habe mich verlesen und bin schon beim Segen angekommen, wo doch erst die Predigt dran ist.
Der Segen ist heute die Predigt. Der Segen, der uns am Ende des Gottesdienstes zugesprochen wird. Die Segensworte, die vielen von uns so sehr vertraut sind.

Der Segen – Ein Text der Bibel, eine Aufgabe der Priester
Der aaronitische Segen ist heute der Predigttext.
Aaronitisch – so heißt der Segen, weil es Aarons Segen ist. Aaron ist der Bruder von Mose und Priester des Volkes Israel. Aaron und seine Söhne sind, zusammen mit den Leviten, die Priester.
In der Bibel gibt es eine ganze Reihe von Ordnungen und Regeln, die für die Priester aufgestellt werden. Viele davon kann man im 4. Buch Mose lesen. Dort steht auch der Segen. Und das bedeutet:
Der Segen ist eine wichtige Aufgabe des Priester im Volk Israel. Segnen gehört – so würde man es heute vielleicht in einem Berufsprofil beschreiben – zur Kernkompetenz der Priester. Ein Priester, der nicht segnet? Aufgabe verfehlt!
Gott ist es ein Anliegen, dass die Priester sein erwähltes Volk Israel segnen. Er will, dass seine geliebten Menschen gesegnet werden.
Und so lesen wir im 4. Buch Mose, Kapitel 6:

„Und der Herr redete mit Mose und sprach: ‚Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Kindern Israels, wenn ihr sie segnet:
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne.‘“ (Num 6,22-27)

„Sie sollen meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne“ (Num 6,27) – das ist Gottes ausdrücklicher Wunsch.
Gott wünscht sich, dass die Menschen gesegnet werden. Er wünscht sich, dass die Priester den Menschen seinen Segen zusprechen.

Was ist Segen?
Segen ist, im Kern, ein guter Wunsch. Beim Segnen spreche ich anderen aber nicht einfach nur gute Wünsche zu wie bei einem Toast.
Beim Segnen lege ich diesen guten Wunsch in Gottes Hände.
Nicht ich bin es, der segnet. Gott ist es.
Ich wünsche dir Gottes Segen – möge sie dir diesen Wunsch erfüllen!
Nicht an mir liegt die Kraft des Segens. Gott gibt dem Segen Kraft.

Und so erleben viele Menschen den Segen als wahre Kraftquelle! Wir erleben den Zuspruch und den Segen als erfüllend, befreiend, ermutigend, entlastend … und so viel mehr.

Wie erlebst du den Segen?
Wer spricht dir Segen zu?
Wen hast du gesegnet?

Gesegnet und bestärkt fassen wir guten Mut.
Wir fühlen uns behütet und bewahrt.
Wir leben mit Gottes Zuspruch an uns.

In der Bibel wird so mancher Kampf um Gottes Segen ausgetragen.
Jakob ringt am Fluss Jabbok mit Gott – „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Gen 32,27) – und erkämpft sich den Segen.
Bileam wird bestochen und soll Israel verfluchen und segnet das Volk schließlich doch – weil Gott und Bileams Eselin eingreifen (Num 22-24).
Wir müssen nicht um Segen kämpfen. Gott will, dass wir gesegnet sind und selbst zum Segen werden. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12,2), spricht Gott zu Abraham und seither zu jedem Kind.

Gedanken zu Trinitatis
Heute ist der Sonntag Trinitatis. Wir feiern etwas, was wir kaum verstehen können, was nicht logisch ist und eines der größten Geheimnisse unseres Glaubens.
Heute ist Trinitatis. Heute feiern wir, dass Gott drei und doch einer ist: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Über diese Gleichung haben sich Kirchenväter, Philosophen und Theologinnen jahrhundertelang den Kopf zerbrochen und tun es bis heute.
Bahnbrechend ist die Formel, die diesen Gedanken vereint: Tri-nitatis. Heißt: Tri und Unitas. Heißt: Drei und Einheit. Heißt: 3 = 1.
(Aber nur für Christen, nicht für Mathematiker!)

Was bedeutet dieses Dogma für meinen Glauben? Im Zweifel lautet die Antwort: Gar nichts.
Für meinen Glauben sind die dogmatischen, theologischen, kunstvoll ausgearbeiteten Gedankenmodelle nicht entscheidend. Vielleicht kann ich sie überhaupt nie verstehen. Sie helfen mir nicht, das Eigentliche zu begreifen.
Denn das Eigentliche ist, so glaube ich, dass Gott mit uns in Beziehung treten will. Das kann ich nicht verstehen. Das kann ich nur erfahren.

Gott, unser Vater und Schöpfer ruft: „Mensch, wo bist du?“ (Gen 3,9) Er ruft Adam und Abraham, Mose und Jona. Und lässt nicht locker.
Gott tritt leibhaftig in Kontakt zu uns. In seinem Sohn Jesus ist er Mensch und geht Beziehungen ein zu allen, mit denen sich sonst keiner abgibt.
Und zuletzt wirkt Gott in uns. Sein Geist in uns begeistert uns. Mit Gott in uns treten wir in Beziehung zueinander.

Gott will in Beziehung zu uns treten – Segen ist Beziehung
Und Gott will in Beziehung zu uns treten. Das hat er schon immer getan. Das drückt der Segen aus, den Aaron erstmals ausgesprochen hat:
„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
So sollt ihr meinen Namen auf meine Kinder legen, dass ich sie segne.“ (Num 6,22-27)

Gott will in Beziehung zu uns treten. Der Segen ist kein abstraktes: „Hiermit erteile ich Ihnen … blablabla.“
Der Segen heißt: Gott geht eine Beziehung mit uns ein. Er sagt „Ja“ zu uns, zu seinen Kindern.

Heute liegt es (zum Glück!) nicht mehr allein beim Priester oder der Pastorin zu segnen. Jeder kann, jede darf segnen.
Das heißt nicht, dass wir mit dem Segen leichtfertig umgehen sollen.
Aber es heißt: Jede von uns darf Menschen segnen! Jeder von uns darf anderen Menschen Gottes Segen wünschen.

Der Segen ist das Zeichen, dass wir zu Gott gehören. In der Taufe sprechen wir unseren Kindern dieses Zeichen zu und sagen: „Du bist ein Kind Gottes!“
Wie es schon Gott selbst sagte: „So sollt ihr meinen Namen auf meine Kinder legen, dass ich sie segne.“ (Num 6,27)

Ihr seid Kinder Gottes!
Seid gesegnet!
Und:
Seid Segnende!

Amen.

Pastor Groeneveld

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. (Apg 2,1) Nicht in Tirol, nicht in Paris, nicht an der See. Aber eben beieinander! An einem Ort! So, wie wir heute. Möglicherweise war ihnen damals ähnlich zumute wie uns heute.

Auf der einen Seite leben wir doch aus dem Glauben. Wir wissen uns von Gott angenommen und geliebt. Dies haben wir in den unterschiedlichen Phasen unseres Lebens gespürt.

Auch leben wir von Ostern her. Der Herr ist erstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Das Leben siegt. Hoffnung setzt sich durch. Schuld ist vergeben. Ich habe nicht nur eine 2. Chance verdient. Ich erhalte sie auch. Ja, liebe Schwestern und Brüder, wir sind österliche Menschen.

Und dann trotzdem auf der anderen Seite:

Wir haben den Auferstandenen zwar gesehen. Wir wissen, dass der Tod besiegt ist. Hoffnung ist uns geschenkt. Doch beschleicht uns dann und wann eine Angst, eine Unsicherheit: Werde ich auch noch angesteckt vom Virus? Gibt es eine zweite Infektionswelle? Wird es nachhaltige, ja lang anhaltende soziale und wirtschaftliche Folgen dieser Krise geben?

Wenn wir jetzt alleine wären, würden diese Ängste, ja dieses Gefühl der Unsicherheit wohl unheimlich groß werden und uns nachts auch um den Schlaf bringen. Es wäre in der Tat unheimlich alleine daheim.

Doch sind wir alle an einem Ort beieinander. Heute beim Gottesdienst in der Thomaskirche. Und zuhause diejenigen, die den Gottesdienst mit den Gebeten feiern, die wir auf der Homepage zur Verfügung stellen und die dort diese Predigt lesen – heute.

Alle? Ja alle. Auch damals in Jerusalem war nicht die gesamte Weltbevölkerung, auch nicht die gesamte Jerusalemer Bürgerschaft gemeint. Mit Alle bezeichnete Lukas schlicht: alle, die ihm nachfolgten, seine Jünger, die Elf und Matthias, der per Losverfahren den elf Aposteln zugeordnet worden war. 

Es geht also um diejenigen, die Jesus Christus bereits kennen gelernt haben, erfahren haben in ihrem bisherigen Leben. Die verstanden haben, wer er war und wer er ist und wer er sein wird für sie persönlich und für die ganze Welt. Diese sind beieinander – an einem Ort.

So – wie – wir – an – diesem – Vormittag.

Und da reichen nach dem Jesus-Prinzip erst einmal 12 Menschen. Und wir heute sind sogar …

Da geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und der Geist, der Heilige, setzte sich wie Feuerzungen auf einen jeden von ihnen. Und sie wurden alle erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apg 2,2-4)

Heureka. Halleluja. Volltreffer. Da ist er – wie verheißen, jetzt erfüllt.

Auch hier in der Thomaskirche – schaut auf die Tapisserie, die in der Mai-Sonne erstrahlt. 

Nun ist nicht mehr Jesus Christus an der Reihe (er ist noch da, aber in diesem Moment nicht an der Reihe). 

Johannes der Täufer hatte bei Jesu Taufe am Jordan, wie der Evangelist Matthäus überliefert (Mt 3,11): „Ich taufe Euch mit Wasser zur Buße – er wird Euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Das ist es, was heute passiert – wir werden mit dem Feuer, ja mit dem Heiligen Geist getauft. Und das befähigt uns, je in unserer Sprache, mit unseren Geschichten, so, wie uns der Schnabel gewachsen ist, die gute Botschaft von der Liebe, die stärker ist als der Tod, von der Hoffnung, die uns durch diese Krise trägt, vom Glauben, der uns Bäume versetzen lässt zu reden. Jetzt sind wir an der Reihe.

Hier in der Thomasgemeinde wissen wir, was damit gemeint ist: Hier wurden keine Bäume versetzt, aber Kreuze. Das große Holzkreuz, auffgestellt 1965 als Zeichen für das ferne Ziel, eine eigene Kirche zu bauen, wurde gegen diese wunderbare Thomaskirche ausgetauscht mit diesem lichtdurchströhmten kleinen Turm, auf dem nun ein wetterfestes Metall-Kreuz prangt und im Sonnenlicht leuchtet. 

Das Kreuz, das der erste Pastor dieser Gemeinde, mein Vorgänger Pastor Junge eigenhändig gefertigt hat und das 36 Jahre bis zur Fertigstellung des Neubaus im früheren Kirchsaal am Altar diente, steht nun im heutigen Gemeindesaal. Bei Menschen, die in diesen 36 Jahren hier zum Kindergottesdienst oder zum KU gegangen sind, kommen sofort lebhafte Erinnerungen hoch, wenn sie nach Jahren erstmals wieder hier in den Gemeindesaal treten. Heute nun haben wir dieses neue, im Stile von Ambo und Altar gestaltete Kreuz, um das wir uns – wie heute – als Thomasgemeinde versammeln.

Nun hat die nächste Generation mit Kraft und Plan, in guter Gemeinschaft, begonnen, die nächsten Bäume zu versetzen – und dieses Mal im Keller begonnen: Die Aufenthaltsräume, die in diesen 36 Jahren reichlich genutzt wurden, für Jugendgruppen und Kindergottesdienst, für den Handarbeitskreis und das Bibelgespräch – die konnten seit der Einweihung der Kirche im Jahr 2001 nicht wirklich mehr als solche verwendet werden. 

Diese neue Generation – Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, der Baubeauftragte und weitere – hat sie zu reinen Lagerräumen umgebaut. Ein Hubwagen wurde angeschafft und vor wenigen Tagen nun auch die neue Schließanlage – ein Schlüssel für alle Türen, die ich aufschließen muss – wie wunderbar.

Dieser Bauabschnitt ist damit abgeschlossen – Heureka, Halleluja, Volltreffer. 

Nun geht es um die Umgestaltung des Bereiches im EG, damit die Jugend wieder einen Raum erhält, damit wir Menschen mit mobiler Beeinträchtigung nicht mehr von einem Gang zur Toilette ausschließen müssen, damit es eine kommunikative Küche geben kann – wir glauben nämlich, dass es eine Zeit nach dieser Krise geben wird, in der all dies wieder gebraucht wird, und zwar intensiv, um die Menschen hier in der Dodesheide zu stärken, ihnen Orientierung zu geben und sie dafür zu begeistern, sich für andere einzusetzen.

Machen wir also unsere Münder auf und sprechen wir darüber, so, wie uns der Schnabel gewachsen ist – über die Liebe, die stärker ist als der Tod, über die Hoffnung, die uns durch diese Krise trägt, über den Glauben, der uns Bäume versetzen, ja der uns Neues entstehen lässt.

Amen

Jesus Christus spricht: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Johannes 7,38)

Wer an Jesus Christus glaubt, denjenigen, der zu Ostern auferstanden und zu Himmelfahrt aufgefahren ist zum Vater im Himmel, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme des lebendigen Wassers fließen! So lesen und hören wir im Johannesevangelium.

Also, wenn wir an Jesus Christus glauben, dann leben wir sozusagen flüssig. Jetzt nicht finanziell, sondern im geistlichen Sinne. Wenn wir glauben, dann ist dieser Glaube ansteckend und bewirkt im Leben der anderen wunderbare Dinge. Wenn wir zum Beispiel für jemanden im Glauben beten, dann fließen Ströme des lebendigen Wassers, also Gottes Heiliger Geist durch uns zu der anderen Person, zunächst im Geiste, über Zeit und Raum hinweg.

Und dann gibt es diese Momente, in denen wir ganz konkret, physisch anwesend, für jemanden da sind, um zu ermutigen, um zu trösten, um einfach zuzuhören oder im Leid beizustehen. Auch dann fließen die Ströme des lebendigen Wassers aus unserem Leibe, wenn wir ein Paar ermutigende Worte sagen.

Der Geist Gottes ist dieses lebendige Wasser, das in uns wohnt. Wenn wir von Ihm voll sind, dann muss seine Kraft durch uns weiterfließen, sonst werden wir tot. So werden viele Christen vom Feind, bei StarWars würden es heißen: Von der dunklen Seite der Macht, innerlich getötet, weil sie den Segen Gottes nur für sich behalten wollten. Das nennen wir Egoismus. Oder einfach nicht wussten, wie sie diesen Segen weitergeben können. Um dies zu erlernen und zu erkennen, haben wir den Konfirmandenunterricht und hören wir die Predigt.

Wir, als Kinder Gottes leben davon, dass wir etwas mit den anderen teilen. Wenn wir unseren Glauben teilen, dann wird unser Glaube wachsen und nicht sterben. Wir können nichts für uns selbst beanspruchen, weil ja alles nur Gott gehört. So wie Jesus es seinen Jüngerinnen und Jüngern in dem Gleichnis mit den Talenten erklärt hat, so verleiht Gott uns seine Gaben, damit wir sie einsetzen und Gewinn erzielen. Wer segnet, der wird gesegnet werden! Wer aber nur um Segen bittet und den Segen nicht weiter gibt, der wird nicht gesegnet werden. So spricht ja auch Gott zu uns: „Ich segne Dich und Du sollst ein Segen sein.“

Setze also Deine Gaben ein, um zu segnen und zu dienen. Gott möchte Dich gebrauchen, auch wenn Du Dir noch nicht sicher bist, wie das passieren soll. Wenn Du unsicher bist, bitte Gott in Deinem Gebet darum, Dir Deinen Platz und Deine Aufgabe zu zeigen. Gott gibt Dir Mut und Fähigkeit, seinen Willen zu erfüllen.

Gott segnet Dich!

Amen

Wir befinden uns in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus hat sich gerade von seinen Jüngern verabschiedet. Seit seiner Himmelfahrt ist er nicht mehr sichtbar bei ihnen, ist weg.

Aber er hat versprochen, nahe zu sein, nahe zu bleiben. Nur eben nicht mehr sichtbar. Auf eine andere Art will er nahe sein. Er verspricht, den Tröster zu schicken. Seinen Geist. Mitten unter uns. Den Heiligen Geist. Eine nie versiegende Quelle der Kraft.

Aber bis dahin…

Wir befinden uns in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Wir befinden uns in der „Dazwischen-Zeit“. Diese 8 Tage bedeuten eigentlich: Wir sind mittendrin in der „geistfreien“ Zeit.

Wir erleben jetzt gerade aber nicht nur eine „Dazwischen-Zeit“ zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

Wir erleben jetzt gerade eine „Dazwischen-Zeit“ zwischen Corona-Krise, Lockdown, Stillstand und unserem Leben, wie wir es zuvor kannten. Arbeitstitel: Zeit der Lockerungen und der langsamen Wiederaufnahme unseres alltäglichen Lebens.

So eine Zeit dazwischen ist nicht einfach. War’s für die Jünger damals nicht. Ist’s für uns heute auch nicht. So eine Zeit bedeutet Ungewissheit. 

Und Ungewissheit nervt. Sie quält uns zwischen den stabilen Tagen. Sie durchbricht unser Leben, das wir gewohnt sind, das uns Halt gibt. Und liefert uns stattdessen … ja, genau, das ist es, was Ungewissheit ausmacht: Wir wissen es nicht. 

Und was machen Menschen in Zeiten der Ungewissheit? Sie suchen sich Halt. Suchen Stabilität.

Auf dieser Suche finden sie manchmal schnelle Lösungen und einfache Antworten. Das ist verlockend. Und gefährlich.

Populisten, Verführer, Extremisten halten hier Ausschau nach ihren Opfern.

Manche verlieren ihr Vertrauen. Sie beginnen, anderen und allem zu misstrauen. Ihr Misstrauen wächst in ein ungeheures Maß: Sie verlieren sich in Theorien und Verschwörungen. Hinter jeder Entscheidung wähnen sie etwas oder jemanden, das sich gegen sie richtet.

Das ist nicht minder gefährlich, wie wir zur Zeit auf Demonstrationen sehen können.

Das, ihr Lieben, erleben wir gerade: Eine „Dazwischen-Zeit“ voller Ungewissheit und Misstrauen. In eine solche Zeit spricht auch unser Predigttext, spricht Jeremia.

Er schreibt an das Volk Israel. Das Land ist besetzt. Die Hauptstadt zerstört. Das Vertrauen einander und in Gott ist dahin. Israel steckt mitten in einer „Dazwischen-Zeit“.

Jeremia hat sein Vertrauen nicht verloren. Er stemmt sich gegen die Mutlosigkeit und gegen die Zweifel. Gegen das Resignieren vertraut er auf Gott.

Jeremia, der Prophet, hat für alle, die müde geworden sind und keine Hoffnung mehr haben, eine Verheißung von Gott parat:

Wir finden dieses Versprechen bei Jeremia im 31. Kapitel:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich … einen neuen Bund schließen … Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; …“

(Jeremia 31,31-34 i. A. )

Ein neuer Bund, ins Herz geschrieben und deshalb unantastbar. In Jesus Christus ist dieser neue Bund spürbar, erfahrbar.

Er pflückt den kleinen Zöllner Zachäus vom Baum. Schöpft für die Frau am Brunnen lebendiges Wasser. Stärkt der krummen Witwe den Rücken. Lässt Pilatus staunend zurück. Geht mit den Jüngern neue Wege.

Sie alle spüren, dass Jesus mit Gott lebt und handelt. Durch gemeinsames Essen. Durch Worte. Durch kleine Gesten. Er erreicht ihre Herzen.

In einem einzigen Menschen verwirklicht sich die Prophezeiung von Jeremia: In Jesus von Nazareth.

Gott will das Herz der Menschen berühren. Durch seinen Sohn gelingt ihm das.

Doch Jesus ist fort. An Himmelfahrt ist er vor den Augen der Jünger emporgehoben worden. 

Jesus wusste, wie es den Jüngern ergehen würde, und ließ ein Abschiedsgeschenk da. Sein Versprechen: Seinen Geist.

Der Geist, dieser Windhauch, ist nur leider nicht so fassbar und erfahrbar wie ein Jesus von Nazareth, mit dem ich zusammen am See sitzen und Fische grillen kann.

Trotzdem: Manchmal kann ich den Geist und seine Kraft spüren. 

Wenn ich Gottes Geist im Herzen trage, ist kein Platz mehr für die Angst, die aus der Ungewissheit kommt. Oder für das Misstrauen, dass dieser oder jene gegen mich ist. Oder für alles andere, was Menschen von einander und von Gott trennt.

Wenn ich Gottes Geist im Herzen trage, dann bin ich Teil einer Gemeinschaft, die zusammengehört, die verbindlich und verlässlich ist, der ich vertrauen kann und die die Hoffnung hochhält.

Welch großer Schatz ist das gegenüber Freiheiten, für die manche nun vermeintlich vehement einstehen, solange ihnen diese Position nutzt, während sie dabei das Wohl aller außer Augen lassen?

Viele Menschen sind einsam, fühlen sich bedroht oder abgehängt. Diesen Menschen müssen wir wieder das Gefühl geben, dass da eine Gemeinschaft ist, die sie trägt und in der sie sich entfalten können. Darum muss es uns heute gehen, in dieser „Dazwischen-Zeit“. 

So lese ich auch die Worte des Propheten Jeremia: Gott will die Menschen untereinander und mit sich verbinden.

Er will nicht, dass wir vereinzelt und orientierungslos durch die Wüste unseres Lebens wandern. Er will, dass wir gemeinsam durch das Leben gehen, Seite an Seite.

Diese Gemeinschaft gründet nicht auf starren, äußerlichen Regeln, die mir die Luft zum Atmen und zur Entfaltung nehmen. Es braucht auch keine Experten, die das Gesetz autoritär für sich beanspruchen und für andere auslegen.

Denn Gott hat das Grundgesetz seines neuen Bundes nicht in Stein gemeißelt, sondern in unser Herz geschrieben.

Er hat es uns in seinem Sohn vorgelebt. Hat in Jesus seinen neuen Bund spürbar auf die Erde gebracht.

Und nun ist es an uns: Wir haben seinen Geist. Auch jetzt. Auch in der „Dazwischen-Zeit“, die nur scheinbar geistlos und hoffnungslos ist. 

Vertrauen wir auf Gott in unseren Herzen, dann können wir fühlen und erleben, wie Gott unser Herz berührt. Dann ist seine Kraft in uns wirksam.

Es liegt an uns, das, was Gott in unsere Herzen schreibt, auch wirksam werden zu lassen.

Heute. Morgen. Jeden Tag aufs Neue.

Amen.

Pastor Groeneveld

Wir sind in der Corona-Krise am richtigen Sonntag angekommen. Ja, liebe Schwestern und Brüder, das Gebet ist das Gebot der Stunde!

Das Gebet hat uns bisher durch diese Krise getragen – in den Wochen, als wir noch zu Hause, abends oder Sonntagvormittag, alleine oder mit den anderen Lieben im Hause, Andacht gefeiert haben. Wir wussten uns auch im Gebet verbunden mit Christenmenschen weltweit, die auch zu unserem Vater im Himmel gebetet haben, der in das Verborgene sieht. Und vieles lag und liegt verborgen in diesen Zeiten: Wo kam das Virus nun genau her? Wo hat es seinen Ursprung genommen? War es Absicht, Vorsatz oder aus Versehen, fahrlässig, dass das Virus sich auf seinen vermeintlichen Siegeszug durch alle Länder der Welt machen konnte?

Gott, unser Vater, der im Verborgenen ist, sieht in das Verborgene.

Er sieht diese Welt, jeden der rund 7,8 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Er hat gesehen, wie sich die Seuche rasend schnell ausbreitete. Er hat sich jedem gezeigt, der im Sterben gebetet hat: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name…“

Gott hat jedem dieser Menschen vergeben, der zurückblickend auch all jenen vergeben hat, der ihm Leid zugefügt hat.

Jedem dieser Menschen hat Gott die Tür zum Himmel aufgeschlossen.

Dies ist die Zeit der Krise. Dies ist die Zeit des Gebets. Dies ist die Zeit, sich selbst zu prüfen und zu fragen: Welchen Anteil an dem, was nicht gelungen ist, habe ich? Wo und wie habe ich, weil ich es zu dem Zeitpunkt womöglich nicht gesehen habe oder sehen konnte, Schuld auf mich geladen, andere verletzt, wo habe ich durch mein Verhalten, meinen Lebensstil anderen Leid zugefügt?

Aber auch: Wo habe ich anderen geholfen? Wie und wo ist durch mein Mittun, Mitdenken und beherztes Handeln etwas gewachsen, etwas gelungen, etwas geheilt? Wo habe ich dadurch einem anderen Menschen wieder neuen Mut schenken können, eine neue Lebensperspektive aufzeigen können, Freue und Zuversicht spenden können?

Das, liebe Schwestern und Brüder, macht doch unsere christliche Gemeinschaft aus: Einander zu lieben, für einander da zu sein, einander zu vergeben, wie Jesus Christus uns geliebt und uns vergeben hat und für uns da ist.

Er hat uns durch sein Leben und seine Worte gezeigt, dass Gott uns nicht fern ist, sondern unser himmlischer Vater ist. Und dieser sorgt für uns. Sogar noch mehr: „Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

Und genau deshalb können und sollen wir beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Namen. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vor dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. (Kol 3,12-17)

Ich verstehe diese Worte in diesen Zeiten ganz neu:

Ihr, wir sind die Auserwählten Gottes. Gott hat uns gesegnet und er segnet uns weiter. Er hat uns bewahrt vor Schlimmerem in unserem Land und er bewahrt uns weiter. Und als solche sollen wir fest bleiben: in Geduld – ja, wir sind noch nicht übern Berg, wir müssen die geltenden Maßnahmen und Regeln sehr ernst nehmen, Tag für Tag, Stunde für Stunde – so retten wir Leben und schützen uns selbst und können so denen helfen, die in diesen Tagen diese Hilfe ganz nötig haben.  Wenn es dann wieder soweit ist, können wir auch die Fülle der Gottesdienste mit Gesang und entfalteter Musik und Gemeinschaft und Gesprächen beim Kirchenkaffee neu entdecken und in der Fülle leben – noch aber ist Geduld das Gebot der Stunde und Sanftmut.

Jesus Christus sagt: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ Die Übermütigen werden womöglich sterben – die Sanftmütigen aber, sie werden auf der Erde von großer Bedeutung sein. Sie werden das Erdreich besitzen, d.h. es bebauen, hegen und pflegen, ja auch das Wirtschaftsleben wieder Schritt für Schritt aufbauen.

Und all das in Demut. Nichts ist Selbstverständlich in diesen Tagen. Und jeder kleine Erfolg, die Pandemie einzudämmen, ist fragil und brüchig und kann schnell wieder verspielt sein. Nehmen wir eine dankbare und demütige Haltung an, dann gelingen uns auch „herzliches Erbarmen und Freundlichkeit“.

Es gibt viele Menschen, die aufgrund der Krise vieles verloren haben.  Bei einigen verschärft sich noch die soziale und finanzielle Lage, die schon vor der Krise sehr fragil war. Ich spüre das in Gesprächen mit Menschen, die sich an mich wenden. Gut, dass wir in diesen Zeiten unsere Kirche, die Gemeinden und die diakonischen Einrichtungen haben, die im Grunde stabil organisiert ist und in Notsituationen anders, manchmal auch unbürokratischer helfen können als der Staat und die Kommune.

Die „Diakonie Katastrophenhilfe“ ruft zu Spenden für Notleidende in der Corona-Krise weltweit auf. Ihr Spendenkonto ist bei der Evangelischen Bank; IBAN: DE68520604100000502502

Sie können natürlich auch in der Thomasgemeinde oder in Ihrer jeweiligen Ortsgemeinde für die Aufgaben im diakonischen Bereich Spenden. Wir sind auf Ihre Spenden und Gaben angewiesen.

Ja, wir sollen uns derer erbarmen, denen es jetzt wirklich schlecht geht. Fragen wir beim Nachbarn nach. Bieten wir Hilfe an, wo wir es vermögen. Im Kleinen, im Privaten beginnt das.

Von einem Bekannten habe ich jetzt sogar gehört, dass er Kontakt aufgenommen hat zu einer Organisation, einer Suppenküche in den USA. Er möchte von Deutschland aus „Care-Pakete“ organisieren – so wie Amerikanerinnen und Amerikaner uns Deutschen nach dem Weltkrieg mit solchen „Care-Paketen“ geholfen haben, wieder auf die Beine zu kommen – so möchte er jetzt den Menschen in den USA helfen. Die USA ist das mit Abstand am härtesten getroffene Land der Welt. Dass Jahre lang am Gesundheits- und Sozialsystem des Staates gespart und dieses abgebaut wurde, rächt sich nun. Doch sind es unsere Schwestern und Brüder, die dort leiden, die dort sterben, die dort massenweise in Arbeitslosigkeit geraten – wie zuletzt in der großen Weltwirtschaftskrise vor 90 Jahren.

Vielleicht machen auch diese „Care-Pakete“ Schule – halten wir Augen und Ohren offen und seien wir wachsam.

Schließlich sollen wir, so schreibt der Apostel Paulus, „über alles die Liebe anziehen, denn sie ist das Band der Vollkommenheit“. Ein Band verbindet. Die Liebe verbindet uns untereinander und miteinander. Hatten wir Deutsche es nach Ende des 2. Weltkrieges – und wir haben uns am vergangenen Freitag, am 08. Mai, an diesen Tag der Befreiung von Nationalsozialismus erinnert – verdient, geliebt zu werden, dass man uns „Care-Pakete“ schickt und uns wieder auf die Beine hilft? Warum also sollten wir jetzt nicht auch unseren amerikanischen Schwestern und Brüdern Gutes tun und ihnen „Care-Pakete“ schicken?

Der Friede Christi regiere in unseren Herzen, so schreibt Paulus weiter – nicht Rachsucht, Besserwisserei oder Streitlust.

Und noch etwas, liebe Gemeinde, höre ich ganz neu:

Paulus schreibt: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“

Ja, Herr Jesus Christus, das tun wir. Wir singen: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit.“ Ja, es fühlt sich draußen schon seit Wochen an wie Sommer. Und wir danken für den Sommer. Und wir bitten Gott um Regen für unser Land – und darum, weiterhin vor dem Schlimmsten bewahrt zu werden. Und wir geben Paulus das letzte Wort:

„Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Amen

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – Ein Klassiker. Eines der Lieder, die wir in dieser Jahreszeit normalerweise oft und gerne singen.

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.
(EG 503, Str. 1)

Wir dürfen wieder Gottesdienste in der Kirche feiern. Und wir tun dies auch. Trotz der Einschränkungen. Trotz der Regelungen.

Wir feiern Gottesdienst, nicht mehr nur am Telefon und im Internet, nun auch wieder in unserer Matthäuskirche.

Wir feiern wieder Gottesdienst in der Kirche. Aber eine große Lücke bleibt. Ausgerechnet das Miteinander Singen, das viele Menschen gegenseitig ermuntert und stärkt, ist das, was Menschen unter den aktuellen Umständen gesundheitlich gefährdet.

Die Gemeinde mit Mundschutz und stumm. Ein ungewohntes Bild. Aber es ist nicht trostlos! Es ist hoffnungsvoll! Denn langsam und Schritt für Schritt kehrt Leben zurück. Mit allem, was dazu gehört.

Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.
(EG 503, Str. 8)

Es tut gut, dass wir uns Schritt für Schritt wieder mehr erlauben und trauen. Bei aller Vorsicht, mit aller Verantwortung.

Denn das war heftig, was der Lockdown, das Stilllegen des öffentlichen Lebens, mit mir gemacht hat. Leere Straßen. Alles schließt. Im Kindergarten fehlt das Lachen der Kinder, die dort spielen. Das hat mich echt ’runtergezogen. Klar.

Highlight des Tages war der Spaziergang. Nach draußen gehen, in die Natur, auf die Straßen. Wahrhaftig sehen, dass das Leben weitergeht und nicht alles in einer dunklen, einsamen Blase verschwindet.

Und wenn ich draußen war, begegnete mir Musik: Etwas zu laut durch Kopfhörer. Ein fröhliches Pfeifen und Strahlen im Gesicht, trotzdem. Die Vögel mit ihren Liedern von den Bäumen.

Und gleich macht das Herz einen Sprung, die Laune steigt, und ich merke mal wieder, welche Kraft die Musik hat. Wohltuend, lindern, tröstend. Kräftig, stark, hoffnungsvoll.

Heute ist der Sonntag Kantate. Das heißt: „Singt!“. Ausgerechnet. Singen im Gottesdienst, das dürfen wir noch nicht.

Aber wir dürfen Musik hören, Melodien genießen, Zuhause singen. Und können uns damit selbst Gutes tun. Musik und Lieder helfen uns. Egal, wie schief wir singen.

Wie stark Musik ist, das haben die Bilder aus Italien gezeigt. Die Menschen und das Land wurden besonders hart von der Pandemie getroffen. Die Ausgangssperre sollte das schlimmste vermeiden. Und trotzdem sind viele Menschen gestorben.

Aber selbst in der Stille der italienischen Städte steigt immer wieder ein Chor, ein Konzert, ein herzerwärmendes Lebenszeichen nach oben.

Alle paar Stunden, irgendwo im Land, stellen die Menschen sich auf ihre Balkone oder an ihre Fenster und stimmen Lieder an, alle miteinander, über Straßen und Plätze, manchmal begleitet von improvisierten Schlagzeugern, die sich mit Pfannen behelfen, mal von Trompetern zweifelhafter Güte, mal von richtig guten Tenören und Gitarrenspielern. Jeder mit seinem Talent (Vgl.: sueddeutsche.de, „Mit Gesang und Tröten gegen die Isolation“ von Oliver Meiler).

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im 2. Buch der Chronik. Darin wird uns erzählt, wie die Einweihung des Tempels unter König Salomo lief und wir erkennen eine gewisse Ähnlichkeit zu den Szenen aus Italien. Wir hören aus dem 5. Kapitel im 2. Buch der Chronik, die Verse 11-14:

„Alle Priester … und alle Leviten, die Sänger waren, … standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.“ 
(2.Chr 5,11‑14 i.A.)

Ein total bunter, gemischter Chor. Alle musizieren mit. Singen, spielen Instrumente. Egal. Hauptsache, sie machen mit.

„Es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme Gott loben und danken.“

Der Text erzählt von der Einweihung des Tempels. Lange war man vorher damit zufrieden, „nur“ ein Zelt zu haben. Doch irgendwann sollte was Prächtiges her.

Ich weiß es nicht. Aber wenn es nach Gott gegangen wäre, hätte er vielleicht noch weiter gecampt. „Wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen.“ (2.Chronik 2,5)

Auch wenn wir nun wieder zu Gottesdiensten in unsere Kirchen einladen, können wir uns sicher sein: Gott lässt sich nicht in unsere Gebäude einsperren.

Gott begegnet uns nicht nur in der Kirche. Er begegnet uns überall. Zum Beispiel in der Musik. Da bin ich mir sicher, wenn ich an die Kraft der Musik denke, was sie in mir auslöst.

Und tatsächlich begegnet Gott uns immer wieder, wenn wir gar nicht damit rechnen. Wer weiß, vielleicht macht Gott ja auch gerade Home Office:

Steht auf’m Deich und schaut auf’s Meer. Geht im Wald spazieren und hört die Blätter im Wind rauschen. Oder sitzt mit uns im Garten, sieht die Blumen blühen, während die Vögel zwitschern.

Gott ist bei uns, wo wir auch sind. Das glaube ich.

Amen.

Pastor Groeneveld