Es wird gelb. Ich trete auf die Bremse. Mein Auto kommt zum Stehen. Jetzt erst nehme ich sie wahr: Bestimmt vierzig bis sechzig Grundschulkinder, die abwarten, bis das grüne Signal kommt. Bestimmt waren sie  eben aus einem oder zwei Bussen gestiegen. Dann setzen sie sich in Bewegung. Ohne Hast, fröhlich, in das ein oder andere Gespräch vertieft. Kein Schupsen, kein Streit, keine Beleidigungen. Das fasziniert mich. Ich schaue ihnen noch eine Weile nach und fahre erst weiter, als das rote Licht der Bedarfsampel bereits mehrere Sekunden erloschen war. 

Es ist nur ein kleiner Moment mitten im Alltag, in dem ich noch vielen Menschen begegnen, Gespräche führen und Entscheidungen treffen werde. Und doch lässt er mich eine Weile innehalten und bringt mich ins Nachdenken: War wirklich früher alles besser? Steht es heute wirklich so schlecht um unsere Schulen und unsere Erziehung? Schaffen wir das wirklich nicht mit der Integration?

Meine Antworten fallen so aus: Nein, früher war nicht alles besser. Unsere Lehrerinnen und Lehrer meistern die riesigen Herausforderungen nach meiner Wahrnehmung sehr gut. Und ja, ich bin der Meinung, dass wir vieles in unserer Gesellschaft wirklich schaffen, gerade im Bereich der Integration.

Ich sehe allerdings auch, dass es für viele von uns sehr viel zu tun gibt und dass wir durchaus an Grenzen des Machbaren und an Grenzen unserer Kräfte gelangen.

Wenn mir dies bewusst wird, wünsche ich mir mehr solcher kleinen Momente mitten im Alltag, die mich ins Nachdenken bringen und mir etwas Gelassenheit und Freude schenken.

Und: Ich wünsche solche kleinen Momente auch Ihnen!

Ihr Cord-Michael Thamm

Liebe Gemeinde, der Weg ist das Ziel, nicht wahr? Das haben wir alle wohl schon einmal gehört. Da steckt doch auch eine Wahrheit drin. Doch ist es nicht genauso wahr, dass es ohne ein Ziel auch keinen Weg gibt? Wenn ich ziellos umhergehe, dann laufe ich Gefahr, mich zu verlieren. Aus diesem ziellosen Umhergehen könnte ein mich erschöpfendes Umherirren werden, an dessen Ende alles sinnlos erscheint und ich verzweifle.

Mich faszinieren die Pilger. Ich begegne vielen, seitdem ich mit meiner Familie in Engter lebe. Engter liegt an der Via Baltica, dem Jakobsweg, der aus dem Baltikum über Bremen, Osnabrück, später über Frankreich, schließlich nach Santiago de Compostela in Nordwestspanien führt. Die Kirchengemeinde in Engter hat im Gemeindehaus eine kleine Pilgerherberge eingerichtet. Und so standen in diesem Sommer schon häufig Gruppen und auch Einzelgäste und Pärchen bei uns vor dem Pfarrhaus und erzählten von ihrem Weg. Das Ziel ist immer Santiago. Sonst gäbe es diesen Weg ja auch gar nicht. Und dieses Ziel gibt dem ganzen Weg einen Sinn. Ständig ist im Blick der Herrenbruder Jakobus. Der war nicht einer der 12 Jünger gewesen. Vielmehr bekehrte er sich erst zum neuen Glauben, nachdem er seinem leiblichen Bruder Jesus als Auferstandenem begegnete. Dann leitete er über 20 Jahre die Jerusalemer Gemeinde, bevor er einen Märtyrertod starb. Später wurden seine Gebeine in Santiago beigesetzt, womit die Tradition begann, dort, zu seinem Grab zu pilgern. Es fasziniert die Menschen, dass schon seit über 1000 Jahren auf diesem Weg quer durch Europa Menschen gegangen sind und die Kirchen und Kapellen entlang des Weges aufsuchten, um dort zu beten – ja, und um die Menschen zu treffen.

Natürlich gehen die meisten immer auch nur einen Abschnitt. Das Pärchen, mit dem ich mich vor einigen Tagen unterhielt, war 10 Tage unterwegs Sie sind in Bremen gestartet und wollten nach der Übernachtung in Engter am vergangenen Montag dann weiter nach Osnabrück, wo sie wieder in den Zug steigen wollten. Sie werden hier oberhalb der Vehrter Landstraße im Nettetal entlang gegangen sein.

Ja, das fasziniert mich. Der Weg ist das Ziel. Doch ohne Ziel gibt es auch keinen Weg.

Emilia, Leah und Johanne Lotta befinden sich auch auf einem Weg. Sie sind unterwegs auf ihrem Lebensweg. Mit der Taufe heute wird ihnen die Perspektive eines wunderbaren und lohnenden Ziels ihres Weges geschenkt: Anzukommen bei Gott, der ihr Vater ist im Himmel und der schon jetzt, heute in diesem Gottesdienst zu ihnen sagen wird: „Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“

Und Gott rüstet die drei aus mit dem wichtigsten, was sie in ihrem Leben brauchen werden: Nämlich mit dem Zuspruch: „Du bist wertvoll und unendlich wichtig. Ich habe Dich schon geliebt, als ich Dich bereitete im Mutterleib. Und ich werde immer da sein und meine Liebe zu Dir wird niemals aufhören. Vergiss das nie.“

Zu Dir, Emilia, spricht Gott: „Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hinziehst.“ 

Da wird ganz deutlich, dass Gott mitgeht auf Deinem Lebensweg und bei Dir ist, wohin Du auch aufbrechen wirst.

Zu Dir Leah, sagt er: „Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Hier wird darüber hinaus deutlich, dass Gott sogar seine Engel sendet, um da zu sein, damit Dir nichts Schreckliches widerfährt. Glaube daran, dass sie da sein werden, aber sei bitte auch nicht leichtsinnig und fordere die Engel und Gott nicht heraus. Die Naturgesetze werden in der Regel nicht außer Kraft gesetzt!

Und zu Dir, Johanne Lotta, naja eigentlich zu uns allen, sagt Gott durch seinen Sohn Jesus Christus: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Das klingt für mich auch nach Ziel. Nach einem richtig schönen und sinnvollen Ziel sogar. Es soll nicht dunkel bleiben in der Welt, in unseren Häusern, in den Herzen der Menschen, in den Beziehungen. Nein, ganz im Gegenteil! Es soll hell werden. Das Licht soll leuchten. Die Lichter sollen brennen. Und wir sind das Licht der Welt, weil Jesus es uns durch die Taufe geschenkt hat. Wir dürfen und sollen dieses Licht, das uns geschenkt wurde, in dem und durch das wir leuchten, weitergeben. Symbolhaft tun wir dies gleich mit den Taufkerzen. Wir werden sie an der Osterkerze entzünden. Dabei werden wir das Wort Jesu hören: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern der wird das Licht des Lebens haben.“

Und nicht nur das. Die Leute sollen es auch sehen. Damit sind die Leute gemeint, die Jesus Christus und den liebenden Vater im Himmel noch nicht kennen. Genau sie sollen dieses Licht, das wir in der Welt verbreiten, sehen. Und daraus ergibt sich dann eine Gotteserkenntnis. Und einige von diesen Leuten werden dann in der Tat beginnen, unseren Vater im Himmel zu preisen – so wie wir es eben in dem Lied gemacht haben: „Einfach spitze. Komm, wir loben Gott, den Herrn!“

Das vor Augen ist doch ein wirklich schönes und erstrebenswertes Ziel. Da bekommt man doch Lust loszugehen. Loszugehen auf den spannendsten aller Wege – auf den Weg des eigenen Lebens. Amen

„Du warst im Kloster als evangelischer Pastor? Was hast Du denn da gemacht?“ werde ich gefragt. Ich beginne zu erzählen von dieser wichtigen Auszeit für mich: Vom wunderschön gelegenen evangelischen Kloster Bursfelde an der Oberweser, von den drei Sabbattagen dort gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Landeskirche und von dem „nada te turbe“. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Genau: Es ist der Text zu einem inzwischen ziemlich bekannten Lied aus Taizé. Der Text geht auf Teresa von Avila zurück, die als Zeitgenossin Martin Luthers in Spanien aufwuchs und dort im Kloster nach Gott und der Mitte ihres Glaubens suchte. Beide, Luther und Teresa, kamen zu ähnlichen Gedanken und Aussagen über den Glauben, obwohl sie sich nie begegnet sind. Im Kloster nun hatte ich die Gelegenheit, mich mit diesem meditativen spanischen Text zu beschäftigen und eine neue deutsche Übertragung zu verfassen. Dieser Text ist dabei entstanden:

Fürchte Dich nicht in den Turbulenzen dieser Tage!

Du bist nicht gefangen in Deiner Angst – Gottes Geist lässt sie vorüberziehen.

Du änderst Dich, gehst neue Wege – Gott bleibt derselbe!

In Geduld wird es Dir gelingen, alles von ihm zu erwarten.

„Mich an Gott zu halten“ bedeutet dann: „Mir wird nichts fehlen.“

Und das aus Gottes Gnade. Denn Gott allein genügt.

So schaue ich auf die Turbulenzen unserer Tage, auf die Wahlergebnisse vom 26. Mai, auf die Herausforderungen unserer Zeit und denke: Es ist gut, dass wir uns genau daran erinnern – die Turbulenzen gehen vorüber, Gott aber bleibt. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, wir sollen uns aber für das Leben, für die Gerechtigkeit und für die erfahrbare Liebe einsetzen. Es ist die Liebe, durch die uns vergeben wird und in der wir selbst vergeben können. Gott wirkt Wunder. Er kann auch die schlimmsten Verletzungen heilen und einen neuen, segensreichen Dienst daraus erwachsen lassen. In Osnabrück, in Ostdeutschland und in ganz Europa. Die Menschen werden einander zuhören und sich einander zuneigen und einander verstehen, über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.

Fürchte Dich also nicht.

Frohe Pfingsten wünscht Ihnen

Ihr Cord-Michael Thamm

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Werktag geht mein Radiowecker morgens um 6.35 Uhr an. Heute Morgen wurde ich auf „OS Radio 104,8“ mit einem Lied von Udo Lindenberg geweckt. Er singt: „Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komm‘ nur viel zu selten dazu.“

Ich lausche dem Text und denke bei mir: Ja, ist das nicht sehr häufig so? Kennen wir das nicht? Da rege ich mich über eine Sache oder einen Menschen auf, ärgere mich darüber und reagiere entsprechend genervt, was in der Situation nicht wirklich weiterhilft. Am Abend denke ich dann bei mir: „Eigentlich bin ich doch ganz anders.“ Daraus ist auch der Wunsch abzulesen, dass ich eigentlich den anderen, ja der Welt zeigen möchte, wie und wer ich nun wirklich und ehrlich bin! Warum tun wir uns damit denn so schwer?

Udo Lindenberg singt: „Ich hab so viel Termine.“

Geht es Ihnen genauso? Hindern Sie auch die vielen Termine daran, endlich mal zu zeigen, wer und wie sie wirklich sind?

Wir sind in unseren Gemeinden eingeladen, die Passions- und Fastenzeit zu nutzen, bestimmte Termine sein zu lassen, um Zeit zu haben, genau das zu zeigen – wie wir eigentlich sind. Dem Partner, der Partnerin, den Freundinnen und Freunden, den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen.

Die Hauptkonfirmandinnen und Hauptkonfirmanden haben es uns bei ihrem Vorstellungsgottesdienst am 24. Februar in der Thomaskirche vorgemacht: Zunächst trugen sie Masken. Während des Gottesdienstes nahmen sie die Masken ab und sagten: „Bei meiner Familie kann ich so sein, wie ich bin.“ Oder: „Bei meinen Freunden muss ich keine Masken tragen.“

Das macht Mut, es auch zu versuchen. Ich muss nicht jemanden spielen, der ich gar nicht bin. Ich darf das zeigen, was mich ausmacht und damit auch wuchern, indem ich dadurch andere beschenke und ihnen Freude mache. Jesus hat zu Lebzeiten die Menschen in Judäa und Galiläa dazu befähigt, sie selbst zu sein und sich nicht zu verstellen oder zu verstecken. Als auferstandener Herr befähigt er uns heute ebenfalls, unsere Masken abzulegen und einfach so zu sein, wie wir sind. Wer wir sind, steht bereits fest: Gottes geliebte Kinder und als solche Schwestern und Brüder in seiner Gemeinde. Zeigen wir es auch?             

Ihr Pastor Cord-Michael Thamm                                   

„The Noes have it!“ Wie häufig haben wir diesen Satz in den letzten Wochen von dem Speaker des britischen Unterhauses gehört!

Theresa May sagte dann in einer der Dabatten: „Großbritannien hat der Welt mitgeteilt, was es nicht will. Jetzt ist es an der Zeit, der Welt mitzuteilen, was es will.“

Doch Europa und die Welt warten noch.

Es scheint schwer geworden zu sein, „Ja“ zu etwas zu sagen. Viel leichter fällt es uns Menschen anscheinend, „Nein zu sagen“.

In der Zeit des „Kalten Krieges“, in der beide deutsche Staaten sich atomar hochgerüstet gegenüberstanden, war ein Ausruf der Friedensbewegung: „Die Zeit ist da für ein Nein. Nein ohne jedes Ja, sag Nein, sag Nein.“ Der Reformierte Bund erklärte damals sogar den „status confessionis“, also die im christlichen Glauben begründete Unbedingtheit dieser Ablehnung.  Diese Ablehnung bezog sich auf die Androhung und Anwendung jeglicher atomarer, biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen. Politisch richtete sich dieses „Nein“ gegen den Nato-Doppelbeschluss.

Es gibt sicher Zeiten, in denen ein „Nein, ohne jedes Ja“ angebracht und notwendig ist und es gute Gründe gibt, ihm mutig zuzustimmen.

Mir scheint es jedoch in unseren Tagen mehr denn je wichtig zu sein, mutig auch Position zu beziehen für ein „Ja“: Ja zu Europa. Ja zum Klimaschutz. Ja zur Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Kultur und Herkunft in unseren Stadtteilen. Ja zu mehr Vertrauen in einander.

Schlussendlich geht es dabei auch um ein „Ja“ zu Frieden und Gerechtigkeit!

Zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes mit anschließenden  Neujahrsempfang am 27. Januar begrüßte Frau Jabs-Kiesler die Anwesenden mit den Worten: „Auch das gute Miteinander innerhalb der Ökumene in unseren Stadtteilen ist ja ein konkreter Beitrag zum Frieden in der Welt!“

So wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viele friedvolle Begegnungen in diesem Jahr im Sinne der Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Und in den nächsten Tagen und Wochen auch viele närrisch-humorvolle Sitzungen und Umzüge. Denn auch aus einem beherzten Lachen kann Frieden wachsen!

Es grüßt Sie

Ihr Cord-Michael Thamm

Am Freitag hörte ich auf NDR Kultur die Sendung „nachgedacht“ mit dem Titel „Die Möglichkeit des Grauens“. Alexander Solloch ging darin Gedanken rund um den Jahreswechsel und den verbreiteten Wunsch “Frohes, neues Jahr“ nach. Er begann sein Nachdenken mit einer ganz aktuellen, sehr traurigen Nachricht: „Zu Mitternacht wünschten sie sich vermutlich noch alles Gute. Was man eben so sagt: Frohes neues, viel Gesundheit und Glück und immer was zu lachen. Eine Stunde später war alles vorbei. Der 39jährige Mann und sein 10jähriger Sohn, die in der Silvesternacht auf der Bundesstraße 27 in Eichtal nahe Stuttgart ums Leben kamen, waren in Deutschland wohl die ersten Verkehrstoten 2019. Die Statistiken der vergangenen Jahre lassen befürchten, dass ihnen bis zum 31.12. noch über 3.000 Menschen folgen werden.“ Mich hat diese Nachricht ebenfalls erschüttert und ins Nachdenken gebracht.

Unser Leben hängt immer am seidenen Faden. Unser Leben kann von jetzt auf gleich ein jähes Ende finden. Ja, eine Unaufmerksamkeit und ich stürze. Drei Sekunden im Auto abgelenkt – und es ist geschehen, wie in dieser ersten Stunde des Jahres in Eichtal.

Mir macht diese Nachricht und das Nachdenken darüber deutlich, was für eine Verantwortung wir haben für unser eigenes Leben und das unserer Kinder und denen, die uns anvertraut sind. Und mir wird klar, dass wir diese Verantwortung auch übernehmen und tragen können, weil Gott uns dies zutraut und ermöglicht und uns seinen Schutz und Segen zuteil werden lässt.

Auch in der Geschichte zum 6. Januar, im Predigttext zum Epiphaniasfest, hängt nicht nur ein Menschenleben am seidenen Faden. König Herodes erschrickt, hören wir dort, als er von der anstehenden Ankunft eines neu geborenen Königs der Juden hört. Er stellt Nachforschungen an und gibt den weisen Männern aus dem Morgenlande bereitwillig Auskunft und den Auftrag, sie mögen den Neugeborenen in Bethlehem suchen. Und schließlich wieder zurück zu ihm kommen, um ihm zu berichten, wenn sie ihn gefunden haben. Was führt Herodes im Schilde? Wir ahnen es: Nichts Gutes. Im Traum spricht Gott zu den Weisen, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren. So ziehen sie schließlich auf einem anderen Weg wieder in ihr Land.

Im nächsten Vers erfahren wir dann: „Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten.“

Josef wird sich der realen Gefahr, die da lauert, bewusst und: Er übernimmt Verantwortung und handelt! Er tut dies im festen Bewusstsein und Glauben, dass Gott ihn, seine Frau und ihr Kind Jesus auf dieser Flucht, auf diesem Weg begleiten und beschützen wird, da er ja mit Jesus noch so einiges vorhat.

Auch die weisen Männer werden auf ihrer Reise begleitet und behütet. Sie werden nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Sie beziehen ihre Gewissheit und die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein, aus dem Licht des Sternes, der vor ihnen her ging. „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“

Woraus beziehen wir unsere Gewissheit und Sicherheit, begleitet und behütet auf dem richtigen Weg zu sein? Ich denke, wie die weisen Männer aus dem Morgenlande beziehen auch wir unsere Orientierung aus dem weihnachtlichen Licht. Es hat in der Silvesternacht nicht aufgehört für uns und in uns zu leuchten: Uns allen ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über Dir! Ja, das ist die weihnachtliche Botschaft und Wahrheit. Deshalb, das ist der Aufbruch, der vom Epiphaniasfest ausgeht: Mache Dich auf und werde Licht! Denn dein Licht kommt!

Was bedeutet das denn anderes, als eben auf keinen Fall Auto zu fahren, wenn Du etwas getrunken hast! Nach einem Streit – hey, wir sind Menschen, das gehört zu unserem Leben – Dir erst noch eine Stunde zum Runterkommen gönnen, bevor Du wieder ins Auto steigst. Wenn Du es eilig hast und schnell zu Hause sein möchtest, es eben bewusst langsam und besonnen anzugehen – dann kommst Du nicht nur heil, sondern auch schneller an. Und dass weniger mehr sein kann, haben wir ja zum Jahreswechsel in Osnabrück erleben dürfen: Nicht nur mir ist es am Neujahrsmorgen aufgefallen, es scheint überall in Osnabrück so gewesen zu sein, die NOZ schrieb darüber: Es wurde wohl weniger geknallt, dem entsprechend lag weniger Müll auf den Straßen und die Feinstaubbelastung war geringer als in den Jahren davor oder in anderen Großstädten.

Das sich von Gott getragen und begleitet wissen führt also in die Übernahme von Verantwortung. Mein innerer Glaube äußert sich also in einem beherzten Handeln. Leichtsinniges und Sinnloses unterlasse ich dann. Für sinnvolles und das Leben Schützendes setze ich mich dann ein.

So wird aus der „Möglichkeit des Grauens“ die „Möglichkeit der Erfahrung der Güte und der Liebe“.

Dann wirst Du es sehen und vor Freude strahlen, und Dein Herz wird erbeben und weit werden. Auch im Jahr 2019.

Amen

Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie in all diesen Kirchen schon einmal Gottesdienst gefeiert? Gottes Wort gehört, sich an der Auslegung des Pfarrers / Pastorin gerieben, dem Chor gelauscht, beim „hohen Lobgesang“ mit eingestimmt und sich beim anschließenden Kaffee und Tee über Gemeindegrenzen hinweg ausgetauscht? Egal, ob Sie bereits in drei oder vier dieser Gotteshäuser waren oder ob die Ökumenische Bibelwoche für Sie Neuland ist – seien Sie doch im Januar dabei, wenn das „Jahr der Freiräume“ gerade begonnen hat, wenn wir uns gleich im Januar Freiräume nehmen für die Begegnung mit unseren Schwestern und Brüdern in diesen Kirchen in den Stadtteilen Dodesheide, Sonnenhügel, Haste bis nach Lechtingen.

Im Monatsspruch für Januar 2019 heißt es (1 Mose 9,13):
Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

Für mich ist lebendige Ökumene wie ein Regenbogen mit allen für uns Menschen sichtbaren Farben. Jede Gemeinde, jede Konfession, die sich einbringt, steuert mit ihren Glaubenserfahrungen, mit ihrer Tradition, mit ihrer Sicht der Dinge etwas bei. So wird mit jeder Gemeinde, mit jeder Konfession ein wenig mehr sichtbar von der Herrlichkeit des farbenfrohen Bogens am Himmel. Würde ein Repräsentant bzw. eine Repräsentantin jeder Gemeinde jeweils mit einem T-Shirt in anderer Farbe beim Ökumenischen Gottesdienst am 27. Januar neben den anderen im Altarraum stehen – sie würden schon einen großes Spektrum des Regenbogens abbilden. Wir sprechen ja auch von den “sieben Farben des Regenbogens” nämlich Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett.
Und dann gibt es ja noch jene Farben an den beiden Rändern des sichtbaren Spektrums, die wir mit dem menschlichen Auge nicht sehen können. Auf der einen Seite ist das Infrarot-Licht, auf der anderen Seite ist es das Ultraviolette Licht. Auch diese Farben gehören mit dazu, wenn Gott seinen Bogen in die Wolken setzt und unsere Farben zum Leuchten bringt.
Ihnen wünsche ich einen guten Start ins „Jahr der Freiräume“ mit vielen farbenfrohen Begegnungen!

Ihr Pastor Cord-Michael Thamm

Das sprachen KU 4-Kinder im gemeinsamen Ostergottesdienst in der Thomaskirche anderen aus ihrer Gruppe zu und dann auch der Gemeinde. Dabei hauchten sie sie an. So wie Jesus damals, als er seine zehn Jünger als Auferstandener überraschte: „Nehmt hin den Heiligen Geist.“ Seine zehn Jünger? Ja. Judas hatte sich zu sehr in seine überhöhten Erwartungen verrannt, dass er am Ende seinen Herrn, in den er doch alle Hoffnungen gesetzt hatte, verriet und schließlich sich selbst umbrachte. Und dann fehlte an jenem Tag auch Thomas. Er war mit seinen Zweifeln allein unterwegs in den Straßen Jerusalems. Ob er Trost suchte im alten Glauben, bei den Juden? Oder ob er versuchte, in der Stille und Einsamkeit Antworten auf seine Fragen zu bekommen? Thomas war schlicht nicht anwesend. Matthäus war da, wenn auch ängstlich, wie die anderen auch. Was würde jetzt aus ihnen werden? Wer würde ihnen zu Hilfe kommen? „Lasst uns die Türen abschließen“, sagt er, „es soll uns hier bloß niemand finden. Ein wenig schäme ich mich dafür, dass ich mit Jesus gegangen bin. Kann das alles nicht endlich zu Ende sein?“

„Nein“, sagt Jesus, als er an jenem Abend unvermittelt unter sie trat, „es ist nicht zu Ende. Doch sollt ihr Frieden finden. Frieden schließen sollt ihr mit dem Vergangenen. Versöhnen sollt ihr euch mit denen, mit denen ihr euch gestritten habt. Ja, ihr sollt sogar lernen, auch denen zu vergeben, die euch übersehen, bedrängt oder Unrecht getan haben. Der Heilige Geist, den ich euch heute einhauche, helfe euch dabei.“

Liebe Leserin, lieber Leser! Erkennen Sie sich in Thomas oder Matthäus wieder, oder gar in Judas? Haben Sie auch das tiefe innere Verlangen nach Frieden und Versöhnung? In erster Linie mit sich selbst und mit denen, die Ihnen am nächsten sind?

Dann lassen auch Sie sich anhauchen von Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn. Er spricht auch zu Dir: „Friede sei mit Dir!“

Öffne Dich für diesen Frieden. Christus wird Dich nicht enttäuschen.

Ich wünsche Ihnen in dieser Oster- und Pfingstzeit viele solcher Glaubens-, Geist- und Friedenserfahrungen,

Ihr Cord-Michael Thamm

Vor einigen Tagen in Frankreich. Ein radikalisierter islamistischer Terrorist nimmt in einem Supermarkt Geiseln. Zwei erschießt er, als sie versuchen hinauszulaufen. Eine Frau ist weiter in der Gewalt des 25-jährigen Mannes, der aus Marokko stammt. Dann trifft die Polizei ein. Unter ihnen: Der Gendarm Arnaud Beltrame. Nachdem er sich einen Überblick über die Situation gemacht hat, übernimmt er Verantwortung und beweist Mut: Er spricht mit dem Attentäter und Geiselnehmer und bietet schließlich sich selbst als Geisel, wir können sagen: als potentielles Opfer an. Der 25-Jährige lässt sich darauf ein. Die Frau kommt frei und überlebt dieses schreckliche Drama von Carcassonne. Nicht ihr Retter. Arnaud Beltrame wird ebenfalls angeschossen, schwer verletzt und erliegt später seinen Verletzungen.

Hat Arnaud Beltrame ein Opfer gebracht – sich selbst als Opfer, damit jene Frau weiterleben kann? Ich denke, wir können es so sagen. Präsident Macron sagte es ähnlich. Er sprach von ihm als „Helden“ und würdigte den „gewaltigen Mut“, den dieser zeigte. Und er fügte einen bemerkenswerten Satz hinzu: „Sein Beispiel wird bleiben.“

Mich erinnert dies an einen Satz aus dem Credo der Messe „Wie das Licht des neuen Tages“, die unser Chor bereits einige Male im Gottesdienst gesungen hat. Dort heißt es: „Ich glaube an Gott, an Gottes Schöpfungskraft. Ich glaube an Christus, sein Weg bleibt beispielhaft.“

Der Weg Jesu Christi also auch: beispielhaft.

Worin genau liegt das Beispiel, das Vorbild für uns. Lasst uns einmal gemeinsam auf die Suche begeben.

Vielleicht bringt uns der Predigttext für den heutigen Karfreitag auf eine Spur. Er steht im Biref an die Hebräer im 9. Kapitel (9,15.26b28):

Und darum ist Christus auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen. Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer, die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Wenn ich versuche zu verstehen, was der uns unbekannte Schreiber des Hebräerbriefes der dritten nachösterlichen Generation um das Jahr 100 schreibt, fällt mir zunächst das Wort einmal auf. Christus ist einmal für allemal erschienen und hat bei diesem einen Mal die Sünde aufgehoben – komplett, nicht nur teilweise. Wodurch? Durch sein eigenes Opfer. Niemand anderes muss und soll also geopfert werden, um die Sünde hinwegzunehmen. Das scheint eindeutig. Niemand soll sich also an diesem seinen Opfer von Golgatha ein Beispiel nehmen.

Dennoch ist hier auch von uns Menschen die Rede: Ja, auch wir Menschen sterben. Ja, wir alle, ohne Ausnahme werden zu einer Stunde, die wir nicht kennen, sterben. Das steht fest. Daran führt keine Forschung und kein Hokuspokus vorbei. Wir können eines natürlichen Todes sterben, mit 95 Jahren wie unser Gemeindeglied Heinrich Pomimer oder mit 102 Jahren, wie unsere gute Apollonie Degner vor wenigen Tagen. Wir können aber auch jäh aus dem Leben gerissen werden, wie die erschossenen drei Opfer von Carcassonne oder wie der Gendarm Arnaud Beltrame. Uns allen gleich ist: Jeder von uns stirbt nur einmal. Doch ist ja noch ein weiterer Mensch gestorben: Der 25-jährige Täter. Er wurde am Ende des Dramas von Beltrmes Kollegen erschossen. Ist es also gleich und egal, wie wir sterben und wenn wir noch mit in den Tod reißen?
Unsere Antwort als nachösterliche Menschen kann auch heute am Karfreitag nur lauten: Natürlich nicht! Vergegenwärtigen wir uns jenen wichtigen Nachsatz: Den Menschen ist bestimmt, einmal zu sterben – sie kommen dann vor das Gericht! Jener Attentäter ist genauso vor dem Richterstuhl Christi, wie dieser Gendarme.

Erinnern wir uns an den Inhalt von Jesu Endzeitrede, die wir bei der Abendmusik am Kardienstag hier in der Thomaskirche gehört haben:

Vom Richterstuhl aus wird Christus alle voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Und zu denen zur Linken wird er sagen: Wahrlich, ich sage Euch, Was Ihr nicht getan habt einem von diesen Geringen, das habt Ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Wie, liebe Gemeinde, könnten wir es anders sagen als so? Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Gott ist das Leben und setzt sich ein für das Leben und opfert seinen Sohn für das Leben der vielen – der vielen Menschen, die so etwas Schreckliches erleben wie in Carcassonne, in Kemerowo in Sibirien oder tagtäglich in Syrien.

Es bedarf nun immer wieder neu und immer wieder stark der Weitergabe dieser Botschaft: Gott hat in Jesus Christus schon alles für uns getan – in diesem einmaligen Opfer. Er hat damit bereits das Böse in der Welt überwunden. Er wird im Gericht, das beim Tod jeden Menschen einsetzt, Recht sprechen. Wir Menschen sollen erkennen, dass dies der einzig lebendige Gott ist – sonst ist keiner. Es gibt nur einen lebendigen Gott, es ist der Gott, der mit Israel sein erstes Testament / seinen ersten Bund geschlossen hat, der Bestand hat in alle Ewigkeit. Es ist derselbe Gott, der mit allen Völkern, auch den arabischen, sein zweites Testament / seinen zweiten Bund geschlossen hat. Wie der erste Bund mit dem Blut der Opfertiere durch Moses besiegelt worden ist, so ist der zweite Bund mit dem Blut Christi besiegelt – mit und für uns in alle Ewigkeit. In welcher Weise dieser einzige, lebendige Gott im 7. Jahrhundert in der arabischen Wüste auch zu Mohammed gesprochen hat, ist für uns ein bleibendes Geheimnis mit einem Schloss, für das uns bisher der Schlüssel fehlt. Leider hat Paulus nicht im 7. Jahrhundert gelebt, um uns auch dieses Geheimnis theologisch zu erklären.

Das heißt doch: Integration in Deutschland, Frankreich und ganz Europa bedeutet doch gerade auch, von dem eigenen lebensbejahenden und Leben ermöglichenden Glauben frei und viel zu reden. In den Schulen, in den Gemeindehäusern – hier bei uns im Rahmen des Projektes „Sich begegnen, sich kennen lernen, miteinander reden“ – und darüber hinaus in Gesellschaft und Politik.

Ist es dann nicht denkbar, vielleicht sogar ganz realistisch, dass Menschen, gerade junge Menschen, die nicht im christlichen Glauben aufgewachsen sind, sich packen und überzeugen lassen von diesem lebensbejahenden Glauben, der genau keine Opfer fordert, um Gott zu gefallen und genau keine gute oder schreckliche Taten verlangt, um sein ewiges Reich, das Paradies zu ererben? Sondern – der Glaube reicht. Sola fide. Hat diese Botschaft nicht nach wie vor eine revolutionäre Kraft und kann alte Denkmuster von „Krieg und Rache“ bzw. „Göttliche Forderung und Belohnung“ sprengen?

Und diese Kraft kann dann in extremen Situationen auch dazu führen, etwas Richtiges für andere zu tun, bei dem man auch sein eigenes Leben aufs Spiel setzt. So haben das Feuerwehrmänner am 11. September im World-Trade-Center getan, um noch Menschen aus dem Gebäude zu befreien, so tun dies Tag für Tag Frauen in Flüchtlingscamps, um ihre Kinder vor dem Hungertod  zu bewahren, so hat es in der vergangenen Woche auch Arnaud Beltrame getan. Er tat dies aus Verantwortungsgefühl heraus. Er tat dies frei und nicht weil er musste oder damit Gott oder den Menschen gefallen wollte. Er tat dies uneigennützig. Und genau darin liegt etwas Heldenhaftes. Und genau darin kann er uns ein Beispiel sein, ja. Und so ist es ein äußeres Zeichen für diesen inneren Zusammenhang, wenn Präsident Macron ihn posthum geehrt hat. In dem er sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, hat er nicht nur einer Frau das Leben gerettet, er hat auch ein starkes Bekenntnis abgelegt für den Gott, der das Leben mehr liebt als den Tod. Für Christus, der sich nicht zu schade war, sein Leben zu geben, zur Erlösung für die vielen.

So liegt viel Hoffnung in dem letzten Satz des Predigttextes, wo es heißt:

Zum zweiten Mal wird Christus nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Wir warten – im festen Glauben. Und werden den Mund aufmachen und von unserem Glauben erzählen. Und wenn nötig, auch beherzt handeln.

Amen

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,28) Die drei weisen Männer aus dem Morgenlande samt ihrer Kameltreiber machen sich auf den Weg. Sie sehen auf und erheben ihre Häupter. Sie blicken zum Himmel und erkennen eine ganz besondere Sternenkonstellation, die etwas Großes verspricht, da sind sich die drei einig. Ein Erlöser, der Heiland für die ganze Welt, wird geboren werden. Und dies muss im Land des auserwählten Volkes Gottes geschehen, im Land Israels, und zwar in der Stadt, von der dies schon in den alten prophetischen Schriften geweissagt worden war: In Bethlehem. Die drei brechen auf und machen sich auf die mühsame, beschwerliche Reise gen Westen. Als sie ankommen, werden sie nicht enttäuscht. Sie finden das Kind in der Krippe liegen, in Windeln gewickelt und bei ihnen Maria und Josef.

Diese drei weisen Männer können uns Vorbilder sein: Mit dem, was sie an Vorbildung und Kenntnissen haben, ziehen sie Schlüsse, fassen Vertrauen und brechen auf. Diejenigen, die sie verlachen, lassen sie einfach zurück. Ihnen kann zu diesem Zeitpunkt nicht geholfen werden.

Trauen wir uns auch Vertrauen zu fassen und aufzubrechen? Vertrauen wir auch darauf, dass dort jemand sein wird, der uns Türen und Tor öffnet und uns Herberge gibt, wenn wir es nötig haben? Und gelingt es uns auch, so wir es warm und gemütlich haben, anderen die Türen zu öffnen und Herberge anzubieten? Ja, es gibt Menschen in unserer Gemeinde, die auf uns, unsere offenen Herzen und offenen Häuser angewiesen sind. Lasst uns diese wahrnehmen und einander „in Ehrerbietung zuvorkommen“, wie Paulus an die Gemeinde in Rom schreibt (Röm 12,10).

Adventszeit ist Bußzeit – die violetten Tapisserien in der Thomaskirche und die Antependien in der Matthäuskirche zeigen es uns an. Nehmen wir uns die Zeit, innezuhalten, in uns zu gehen und unser Leben neu auszurichten, indem wir unsere Blicke richten auf den, der uns Erlösung schenkt: Jesus Christus. Adventszeit ist auch Vorbereitungszeit. Bereiten wir uns vor auf das Kommen dessen, der da ist und der da war und der da kommt – manchmal in Gestalt einer seiner geringsten Brüder.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr

Cord-Michael Thamm