Liebe Leserin, lieber Leser!

Als hätten wir mit Corona nicht schon genug zu tun – so fragen Menschen landauf, landab: „Wird es zu Krieg kommen in Europa?“

Wie schnell sich, zum Teil unbemerkt von denen, die nicht direkt beteiligt sind, so eine Situation zuspitzen kann, denke ich.

Während ich diese Zeilen schreibe, wird Bundeskanzler Scholz gerade von Präsident Putin in Moskau zu Gesprächen empfangen. Es ist Mittwoch, der 15. Februar 2022. Der Tag, über den in den Zeitungen zu lesen war „Die USA fürchten einen russischen Angriff auf die Ukraine am Mittwoch“.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, konnte diese akute Kriegsgefahr – so hoffen wir sehr – abgewendet und ein Weg zur Erarbeitung eines neuen Vertrags über die Sicherheit und die Zusammenarbeit in Europa (VSZE) eingeschlagen worden sein. Wir hoffen dies über Grenzen der Konfession, der Länder, der Religionen hinweg. Wir hoffen dies als Menschen, Bewohnerinnen und Bewohnern Europas gemeinsam. Und die, die dies vermögen, die beten auch dafür.

„Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan“ – so hieß das Motto der 1. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK)* 1948 in Amsterdam. Es beschreibt ziemlich gut auch die Situation, in der wir uns zurzeit befinden. Von diesem Treffen ging dann das gemeinsame Bekenntnis aus: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“

Anfang September dieses Jahres wird nun die  11. Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe stattfinden – erstmals in Deutschland. Sie wird unter dem Motto stehen: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“.

Diese Botschaft ist so nötig in dieser zugespitzten Situation – und auch so wahr.

Lassen wir uns – egal welcher Kirchengemeinschaft wir uns zugehörig fühlen, egal ob wir uns als Christ, als Christin bezeichnen oder nicht – lassen wir uns bewegen. Gehen wir durch die Art, wie wir reden und handeln den Weg der Versöhnung. Beginnen wir, uns als eine Menschheit zu verstehen, im Wissen darum, dass es nicht nur eine Sicht der Dinge, nicht nur eine Wahrheit gibt. Gehen wir den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens, und das bedeutet: den Weg des Dialogs unter Anwendung gewaltfreier Kommunikation. Stehen wir der Lüge entgegen. Und sagen wir es laut, überall, wo es nötig ist: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“

Ihr Cord-Michael Thamm

Pastor in der Thomasgemeinde und Friedensbeauftragter des ev.-luth. Kirchenkreises Osnabrück

* Neben anderen ist auch die orthodoxe Kirche von Griechenland Gründungsmitglied, die meisten evangelischen Landeskirchen sind seit 1950 Mitgliedskirchen, die Russische Orthodoxe Kirche seit 1961, die vereinigte Orthodoxe Kirche der Ukraine ist erst seit dem 6. Januar 2019 per Tomos (Dekret) des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I. legitimiert und von der orthodoxen Kirche von Griechenland sowie vom griechisch-orthodoxen Patriachat von Alexandria und von ganz Afrika anerkannt, allerdings nicht anerkannt von der Russischen Orthodoxen Kirche und bisher auch noch nicht Mitglied im ÖRK. Die röm.-kath. Kirche genießt Gaststatus.

Weiteres zur 11. Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe und dessen Mitgliedskirchen finden Sie hier: www.oikoumene.org

Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon – so begann eines der Lieder des großen Reformationsmusicals, das seinerzeit unter der Leitung von Bettina Ley in der Matthäuskirche aufgeführt worden war. Es ist ein fröhliches Lied. Es erinnert die Zuhörer*innen daran, dass das Neue Testament in Griechisch verfasst ist und Martin Luther und Philipp Melanchthon es genau vor 500 Jahren, 1521, begannen, es als Gemeinschaftswerk ins Deutsche zu übersetzen.

Das griechische Alphabet kommt uns in diesen Tagen ganz anders ins Bewusstsein. So werden seit geraumer Zeit die mutierten Varianten des Coronavirus benannt. Bis Delta hatten wir noch mitgezählt. Die Delta-Variante sei eine sehr gefährliche, die sich zudem auch sehr schnell verbreite und nunmehr die vorherrschende sei. Damit hatten wir uns abgefunden – darauf haben wir uns eingestellt. Wir haben begonnen, Termine für eine Booster-Impfung zu vereinbaren. Bei mir konnte bereits am Donnerstag diese Impfung vorgenommen werden.

Und dann das: Omikron. Welcher Buchstabe im griechischen Alphabet ist das überhaupt? Wissen Sie das? Es ist sage und schreibe der 15. Buchstabe von insgesamt 24 (der 24. ist das zweite O, das lange, also das Omega) – ich habe es nachgesehen. Die 10 Varianten zwischen Delta und Omikron sind nicht so gefährlich, deshalb wurde nicht darüber geredet und wir haben nichts davon mitbekommen.

Nun also Omikron. Geht jetzt das ganze wieder von vorne los? Der Ministerpräsident vom Saarland spricht gar von einer „Stunde Null der Pandemiebekämpfung“.

Was ist jetzt das richtige Verhalten? Was sind jetzt die richtigen Maßnahmen?

Und heute am 1. Advent für uns die Frage: Hat Gott uns verlassen? Und hat Gott uns uns selbst überlassen?

Wir hören heute seine Verheißung: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regiert und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“

Gottes Wort ist immer in eine spezifische Zeit mit ihrem jeweiligen Kontext gesprochen und dann aufgeschrieben worden. Gleichzeit hat es aber eine Bedeutung für alle Zeiten und will immer wieder neu, aktual, verstanden und interpretiert werden. So auch dieses!

Versuchen wir es.

Zunächst: Es kommt die Zeit. Sie ist noch nicht da. Sie bezieht sich aber auch nicht auf die Zeit nach dem Tod. Wir leben vielmehr auf sie hin. Und in diesem Leben vertrauen wir dieser Zusage Gottes. Ein gerechter König, zudem ein Nachfahre des großen Herrschers David, wird verheißen. Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Jesus durch die Linie seines irdischen Vaters Josef, dieser unmittelbare Nachfahre und somit dieser gerechte König war, den Gott gesandt hat. Doch wissen wir alle auch, dass Jesus selbst keine leiblichen Kinder hatte. Gleichzeitig sprach er aber immer von sich und allen, die ihm nachfolgen, von Kindern Gottes. Geistlich sind also wir alle durch die Taufe auch Kinder und Nachkommen und Erben Davids und Gottes.

Auch aus uns, der Gemeinschaft der Kinder Gottes, zu denen alle gehören, die auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft sind, und – so verstehen wir das Geheimnis, von dem Paulus im Römerbrief schreibt – auch unsere jüdischen Schwestern und Brüder, aus uns also wird auch ein solcher gerechter Herrscher, möglicherweis auch eine gerechte Herrscherin erwachsen.

Vielleicht erscheint uns dieses Wort zu groß oder auch missverständlich – geht es um einen weltlichen, also politischen Herrscher oder um einen geistlich-religiösen? Uns kann helfen, die direkt voranstehenden Verse zu beachten und in unsere Überlegungen mit einzubeziehen. Gott ist nämlich unzufrieden mit den Hirten, die die Herde seiner Weide umkommen lässt und zerstreut. Deshalb will er und wird er Hirten aus seiner Weide berufen und einsetzen, die die Herde weiden sollen, so, dass sie sich nicht mehr fürchten noch erschrecken noch heimgesucht werden!

Diese Verheißung Gottes beeindruckt mich zutiefst – das möchte ich gestehen!

Auch bei einer Seuche, die über die Welt, ja über die Schöpfung, ja über die Menschheit ausbricht, können wir mit diesem alten Wort von „Heimsuchung“ sprechen. Und ja, auch die aktuelle Seuche, die Corona-Pandemie führt bei uns Menschen zu einem Fürchten und einem Erschrecken. Ich kenne Menschen, die, obwohl sie zweimal geimpft sind, sich aktuell nicht trauen, sich mit anderen Menschen außerhalb der eigenen Familie zu treffen. Ganz zu schweigen von denen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Darin soll schließlich also die Aufgabe, ja das Handeln dieser vielen (nicht nur einer) Hirtinnen und Hirten bestehen: Die Herde weiden, dass sie sich nicht mehr fürchten, nicht mehr erschreckt werden und nicht mehr vom Todesengel, der die Menschen nur so dahinrafft, heimgesucht werden. Es geht also um eine verantwortliche Haltung und besonnene Entscheidungen – auch weiterhin in dieser Pandemie, auch und gerade angesichts von Omikron!

Wie das geht? Nun, wir sind nicht die ersten, die es mit einer Seuche nationalen oder auch globalen Ausmaßes zu tun haben.

Nachdem nämlich die Übersetzung des Neuen Testaments durch Martin Luther und seinem Team vollendet war – am Alten Testament arbeiteten sie noch – , brach die Pest aus in Europa. In Wittenberg brach sie 1527 herein. Angesichts dessen schrieb Martin Luther und verbreitete es im ganzen Reich:

Luther schrieb, als 1527 die Pest in Wittenberg ausbrach:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde.
Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“

Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f

Ist damit nicht auch alles notwendige für uns und unseren Umgang mit der Corona-Pandemie gesagt? Ich lese und höre dies und denke: „Ja, Martin Luther ist im Sinne der Verheißung Gottes, die wir beim Propheten Jeremia lesen, ein guter Hirte gewesen. Ich möchte versuchen, dies in dieser Zeit für die Menschen, zu denen ich gewiesen bin und Verantwortung übernommen habe, auch zu sein.“ Und wisst ihr was? Das schöne an unserer ev.-luth. Kirche ist, dass niemand die Gemeinde alleine leiten muss, schon gar nicht nur ein Mann alleine, sondern dass wir ein gewähltes und berufenes und eingesetztes Team haben, dessen Mandat es genau ist, zu leiten und zu führen und alles dafür zu tun, dass keine Gefahr von Zusammentreffen ausgeht, gleichzeitig aber auch, dass sich Furcht und Schrecken nicht weiter ausbreiten. Vielmehr aber, dass Gottes Wort nicht nur erinnert, sondern auch ausgelegt und verstanden wird, sodass seiner Verheißung auch Glauben geschenkt werden kann.

Hat Gott uns also uns selbst überlassen? Am Ende unserer Überlegungen können wir wohl sagen: Nein.

Vielmehr erweckt er immer wieder Hirtinnen und Hirten und befähigt sie, im Sinne seiner Verheißung zu wirken und von ihm noch weiteres darüber hinaus zu erwarten. So ist es nur folgerichtig, dass wir heute am 1. Advent, auch mitten in dieser 4. Welle singen und hören:

Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir! Ja, er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem!

Amen

Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag

Hört nicht auf zu beten,
Bleibt stets wachsam und voller Dankbarkeit!
Betet stets auch zugleich für uns,
dass Gott für uns eine Tür öffnet.
Mit ihm verkünden wir das Geheimnis,dass Christus bei euch gegenwärtig ist. (Kolosser 4, Vers 1-3)

Andacht von Ruth Klinkert

In dem Brief an die Kolosser fordert Paulus dazu auf, jeden Tag zu beten und zu danken.

Als Paulus dieses schrieb, saß er im Gefängnis. Eingesperrt, weil er Christ war und glaubte.
Und doch war es ihm wichtig, Fürbitte zu halten für die, denen es nicht gut ging. Und auch für die, die nicht schuldlos an seinem Schicksal waren.
Und ihm war wichtig, jeden Tag „Danke“ zu sagen.

Das ist sicherlich nicht immer einfach, gerade in der heutigen Zeit. In der Zeit der Pandemie, in der es weltweit so viele Tote gibt.
Und es ist nicht selten, dass man als Angehöriger selbst betroffen ist.
Ich denke, da ist es schwer, danke zu sagen. Und dabei auch noch an Andere zu denken und für sie zu beten.
Doch wir dürfen auch klagen –  klagen über die vielen Einschränkungen, über Einsamkeit, über Verluste lieber Menschen.

Beten hilft, weil Gott uns hört und auch antwortet. Er schickt oft Menschen zu uns, die uns trösten und für uns da sind.
Bei uns im Krankenhaus ist es die Seelsorge, die für die Kranken da ist. 
Die vielen Covidpatient*innen, die einen schweren Krankheitsverlaufverlauf haben und ganz alleine sind, weil die Angehörigen nicht zu ihnen dürfen. Für sie können Gebete und Worte aus der Bibel sehr tröstlich sein.

Nicht nur für unsere Patient*innen sind Gebete wichtig, sondern auch für meine Kolleg*innen auf den Intensivstationen.
Für sie können wir Fürbitte halten.
Aber auch mir/euch tut es gut, wenn jemand in der Zeit des Zweifelns sagt:
Ich bete für dich, ich denke an dich. Das gibt Kraft, hilft , meinen Weg weiter zu gehen.

Nicht immer können wir glauben, dass Gott uns hört.
Oft fragen wir: Wo bist du? Warum antwortest du nicht?

Doch Gott antwortet, aber nicht so, wie wir es erwarten.
Im Leid aber ist er bei uns, trägt uns dadurch.
Ganz oft können wir erst später erkennen, dass das, was wir brauchen, von Gott gegeben wird.

Der heutige Sonntag Rogate ermuntert uns mit allem, was uns bewegt, zu Gott zu kommen.
Ihm erzählen, wie es uns geht. Ihm anvertrauen, was uns umtreibt.
Gott weiß genau,was wir brauchen, wonach wir uns sehnen.
Und wir dürfen uns darauf verlassen, dass

Gott uns hört.
Amen

Gebet

Das Gebet wählt ihr aus : Vater unser im Himmel/Geheiligt werde dein Name/Dein Reich komme/Dein Wille geschehe/wie im Himmel/so auf Erden/Unser tägliches Brot gib uns heute/und vergib uns unsere Schuld/wie auch wir vergeben unseren Schuldigern/Und führe uns nicht in Versuchung/sondern erlöse uns von dem Bösen/Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit/Amen.

Segen

Der Segen Gottes des Vaters / des Sohnes und des Heiligen Geistes sei mit euch jetzt und immer / Amen

Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag aus dem Lukasevangelium

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Er antwortete und sprach: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“(Lukas 19,37-40)

Andacht von Pastor Matthias Groeneveld

Die Jünger loben Gott. Sie singen, jubeln, tanzen. Dieser bunte Chor, diese Mischung aus unterschiedlichen Typen. Schöne und schiefe Stimmen, vereint im Lob Gottes. Die Jünger haben allen Grund zum Jubeln. Sie erfahren Gottes Liebe zu allen Menschen aus nächster Nähe. Sie erleben die Zeit mit Jesus. Die Zeit der Wanderschaft und der Begegnung, die Zeit des gemeinsamen Essens und der Worte Jesu. Und seiner Taten. All das bringt sie dazu, laut zu singen und zu tanzen, als sie in Jerusalem ankommen. Noch ahnen sie nicht, dass die Zeit des Klagens nahe ist: Die Zeit, da sie schweigen und die Steine schreien. Jesus sagt es ihnen, doch sie hören es vermutlich nicht. Ich sage euch: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Golgatha. Der Ort, an dem die Steine schreien, dieser Ort ist nahe. Doch noch jubeln die Jünger. Und das ist befremdlich. Das ist unheimlich. So manche stören sich daran. Sie wollen diese Leute nicht singen hören. Diese Leute fordern von Jesus: „Bring sie zum Schweigen!“ „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“, entgegnet Jesus. Die Steine werden schreien. Unliebsames zum Schweigen bringen. Das passiert immer wieder. In der Öffentlichkeit erleben wir das mit zunehmender Schärfe. 

Es passiert aber auch in mir. Es passiert in meinem Verhältnis zu Gott.

Loben und Danken haben ihren Platz in meinem Glauben und es fällt mir leicht, dankbar zu sein für die schönen und die guten Seiten in meinem Leben. Es fällt mir leicht, den Sonnenschein in mein Leben zu lassen. Und wenn mir danach ist, danke ich Gott dafür. Genauso hat aber auch das Klagen seinen Platz bei Gott und in meinem Glauben. Zu oft lasse ich in Leid, Schmerz und Trauer lieber niemanden zu mir, auch Gott nicht. Doch ich darf mich beklagen. Ich darf schreien. Ich muss diesen Teil nicht zum Schweigen bringen.

Die Jünger haben es mir vorgemacht. Wir hören heute von ihrem Lob. Doch ihr Klagen und ihre Verzweiflung kennen wir auch; sie tun sich zusammen, trauern gemeinsam in ihren Häusern oder auf dem Weg nach Emmaus. Und die Psalmen haben es mir ebenso vorgemacht. Es gibt Psalmen, die lauthals klagen über alle Ungerechtigkeit, die mir widerfährt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und es gibt Psalmen, in denen das Gotteslob klingt und singt: „Lobe den Herrn meine Seele!“ Das alles hat seinen Platz bei Gott. Unser Leben ist bei ihm aufgehoben. Amen.

Segen

So segne dich Gott, / der Vater, der Sohn, der Geist. / Er schenke dir Hoffnung und Mut. / Er schenke dir seine Nähe und seine Liebe. / Amen.

Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag: Paulus‘ Rede auf dem Areopag

„Ihr Bürger von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromme Leute. Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott‹.

Das, was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. … Er ist es, der uns allen das Leben, den Atem und alles andere schenkt. … Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen – ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können. Denn keinem von uns ist er fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben wir unser Dasein. Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben: ›Wir sind sogar von seiner Art.‹ Weil wir Menschen also von Gottes Art sind, dürfen wir uns nicht täuschen: Gott gleicht keineswegs irgendwelchen Bildern aus Gold, Silber oder Stein. Sie sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens.

Nun – Gott sieht nachsichtig über die Zeiten hinweg, in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben. Jetzt fordert er alle Menschen

an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern. Er wird Gerechtigkeit walten lassen – durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschen durch dessen Auferstehung von den Toten bewiesen.“ (Apostelgeschichte 17,22-34 i. A.)

Andacht von Pastor Matthias Groeneveld

Die Füße fest auf dem Boden, die Knie zittern, der Kopf ist erhoben – Paulus schaut in die Menge der Gelehrten. Er steht auf dem Areopag. Es ist der Ort in Athen, an dem die Gelehrten streiten, diskutieren, ihre Meinung kund tun.

Wird er – Paulus, ein einfacher Handwerker, ein Zeltmacher – wird er es schaffen, sie, die Gelehrten Athens, vom Glauben an Jesus Christus zu überzeugen?

Paulus zeigt Standfestigkeit, Mut und Entschlossenheit und bekennt so seinen christlichen Glauben. Bewundernswert. Er weiß, wo er steht, was ihm Halt und Sicherheit im Leben gibt. Paulus erzählt von seinem Glauben an Gott. Von dem, was ihm an diesem Glauben wichtig ist.

Paulus besteht auf dem Areopag in Athen, auch wenn er mit seiner Predigt nicht so viel Erfolg hatte wie in den anderen Städten, die er auf seiner Missionsreise besuchte: „Einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben. Unter ihnen war Dionysius, der dem Areopag angehörte, eine Frau namens Damaris und noch einige andere.“ (Apostelgeschichte 17,34) Das Wort Gottes, die gute Botschaft des Evangeliums, möge viele Menschen erreichen. Denn das Leben ist mehr als alle Regeln und Verbote. Es ist bestimmt durch die Hoffnung auf den Auferstandenen, der Leben schenkt, auch wenn alles um uns herum dunkel ist.

Segen

So segne dich Gott, / der Vater, der Sohn, der Geist. / Er schenke dir Hoffnung und Mut. / Er schenke dir seine Nähe und seine Liebe. / Amen.

Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag

So spricht Gott der Herr. Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

Ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. (Ez 34,2b.11b-12)

Andacht von Pastor Cord-Michael Thamm

Wie sieht er aus, der Hirte in Corona-Zeiten!

Auf jeden Fall ist es einer, der nicht aufscheucht, der nicht fake news verbreitet, der nicht verunsichert, der nicht den Untergang predigt!

Vielmehr ist es einer, der zuhört, der sich Zeit für ein Gespräch nimmt, der nachfragt: „Was brauchst Du gerade? Wie kann ich Dir helfen?“

Es ist einer, der diese schlimme, ermüdende Zeit mit aushält und daraus ein Gebet formuliert und dieses vor Gott bringt.

Und die Schafe lassen sich ansprechen. Und die Schafe antworten. Und sie lassen sich finden und beginnen, sich wieder als Gruppe, als eine Gemeinschaft zu empfinden. Mit Maske, mit Abstand oder per zoom – auf jeden Fall im Gebet miteinander verbunden.

Ich versuche, in diesem Sinne in dieser Zeit ein guter Hirte in der Gemeinde zu sein. Und bei dem, was ich nicht vermag, vertraue ich auf Gott der zu uns allen sagt: „Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will weiden, wie es recht ist.“ (Ez 34,15-16) Darauf, ja darauf möchte auch ich vertrauen. Amen

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirte / du führst uns auf deinen Wegen und lässt uns nicht Mangel leiden. / Von dir werden wir nicht verlassen. / Wir bitten dich: Halte uns zusammen bei dir. / Suche die Verlorenen. / Sammle die Verstreuten, / dass am Ende dieser Zeit die Deinen geschart sind um dich, / der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst / von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Segen

Gott segne Dich durch seine heilige Geistkraft, / dass Du Dich finden lässt von ihm, / dass Du spürst: „Ich bin nicht allein.“ / Gott bewahre Dich vor allem Übel. / Gott gebe Dir Frieden ins Herz. Amen

Liebe Thomasgemeinde!

Es sind schwierige Zeiten. Aber die Hoffnung bleibt. Und diese Hoffnung auf Leben feiern wir jedes Jahr besonders an Ostern. Diese Botschaft soll allen Menschen zugänglich sein können. Daher hat die Kontaktstelle Inklusion wieder einen Inklusiven Gottesdienst aufgenommen. Dieses Mal in Zusammenarbeit mit der St. Mauritiuskirchengemeinde Dissen und Bewohner*innen aus einem HHO-Wohnheim in Hilter. Die Texte sind in einfacher und Leichter Sprache. Der Gottesdienst ist in Gebärdensprache übersetzt.

Ihre Diakonin Maren Mittelberg

Es ist noch dunkel, da wir aufbrechen. Der Schock hat sich schon etwas gelegt. Doch in Trauer sind wir noch. Wir wollen ihn noch einmal sehen. Ihn, den wir nun zwei Jahre begleitet haben; der uns so viel Hoffnung geschenkt hat; der uns soviel von einer guten Zukunft erzählt hat. Er ist für uns da gewesen. Jetzt wollen auch wir für ihn da sein. Wir wollen seinen Leichnam salben. Wohlduftende Öle haben wir dafür besorgt. Gleich werden wir bei der Grabstätte sein.

Gott ist uns gnädig. Er lässt die Strahlen der aufgehenden Sonne unsere Gesichter treffen. Eine göttliche Berührung, die wärmt und tröstet.

Statt auf den Stein scheinen die Sonnenstrahlen in das Grab. Es ist gar keine Grabesnacht dort. Es scheint, als sei es ein ausgeleuchteter Raum. Und eine helle, lichte Gestalt ist darin zu sehen. Und sie spricht. Sie spricht mit einer angenehmen, freundlichen Stimme. Sie spricht so, wie jener Engel, von dem die alten Hirten aus Bethlehem uns immer und immer wieder erzählten: „Fürchtet Euch nicht!“ Und sie weiß, was wir wollen und was wir sollen. Sie sagt es uns: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Wir können nicht antworten. Wir fassen es nicht. Wir spüren aber: Der Weg zeigt in die Zukunft. Nicht die Grabesnacht und den Toten sollen wir suchen. Den Lebenden, ja das Leben und die Zukunft sollen wir finden!

Tage, Wochen später verstanden wir: Christus Jesus, der Auferstandene hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen…

„Aus der tiefen Grabesnacht ist Christus auferstanden! Halleluja!“

Pastor Cord-Michael Thamm


  • Vorbereitung. Musik oder Lieder für die Andacht heraussuchen (Singen; Instrument spielen; Musik auf CD oder im Internet abspielen). Gesangbuch und Bibel bereitlegen. Einen schönen Platz suchen. Zur Ruhe kommen. Eine Kerze anzünden.
  • Anfang. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
  • Psalm. Psalm aus dem Gesangbuch oder Internet lesen. Vorschläge: Psalm 22, Psalm 23, Psalm 36, Psalm 84, Psalm 86, Psalm 118.
  • Gebet.
    Gott, ich will Mut fassen, / dass meine Angst und meine Zweifel weichen. / Ich will leben von deiner Hoffnung / und von deinem Licht, das in mir leuchtet, / durch die Auferstehung deines Sohnes. / Amen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Lesung. Bibeltext lesen. Vorschläge:
    • Johannes 12,12-19 (Palmsonntag)
    • Matthäus 26,36-46 (Montag)
    • Markus 14,3-9 (Dienstag)
    • Matthäus 27,27-30 (Mittwoch)
    • Lukas 22,7-23 (Gründonnerstag)
    • Johannes 19,16-30 (Karfreitag)
    • Markus 16,1-7 (Ostern)
  • Andacht. Andacht lesen oder hören.
  • Besinnung. Die Gedanken bewegen. Die Worte wirken lassen. Vielleicht darüber austauschen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Vaterunser.
    Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe, / wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit / in Ewigkeit. / Amen.
  • Segen. Gott hülle uns in den Mantel seiner Liebe. / Gott schenke uns seine Nähe. / Gott verleihe uns seinen Frieden. / So segne uns Gott, der Vater, / der Sohn / und der Heilige Geist. / Amen.

Golgatha. Pessach. Wahrscheinlich schauen keine Hunderte zu. Schon gar keine 5.000, wie noch bei seiner Ankunft in dieser Stadt. Keiner jubelt mehr. Und an die Hosianna-Rufe will sich auch keiner mehr erinnern. „Ans Kreuz mit ihm“, hatten gerade noch die meisten gebrüllt. Wer will sich da schon rausnehmen…

Wie viele schauen noch zu? Wie viele bleiben? Es ist Pessach. Die meisten gehen nach Hause. Zurück zum Alltag. Schabbat, Pessach müssen vorbereitet werden. Und die Ereignisse vom letzten Sonntag sind so alt, dass sie längst vergessen sind. Palmblätter auf der Straße? Mag sein. Ist doch ewig her.

Golgatha. Von den Zwölf taucht nur einer auf, so berichtet es Johannes. Dafür drei Marias. Die Familie war da. Immerhin. Seine Mutter. Seine Tante. Und seine Maria, die ihm überall hin gefolgt war. Er war nicht allein. Er kämpft bis zur Erschöpfung. Damals zu Pessach, an einem Freitag im Frühling nach dem ersten Vollmond.

Wie viele stehen am Kreuz? Wie viele schauen zu? Er hat nicht gezählt. Aber er will, dass alle es sehen. Leiden und Sterben vor aller Augen, so sollte es sein. Er tut es. Mit letzter Konsequenz. Denn genau so ist es richtig. Auch wenn das unter dem Kreuz noch keiner versteht.

Jesus am Kreuz. Wenn niemand mehr bleibt. Ich bleibe da. Wenn alles einstürzt. Ich bleibe da.

Wenn du nicht weißt, wie du‘s schaffen sollst. Ich bleibe da. Er ist da und er ist gestorben, für die, die leben. Sein Leben in deinem Leben. Seine Kraft für deine Aufgaben. Seine Leidenschaft für dein Herz. Deine Last an sein Kreuz.

Jesus am Kreuz: Am Ende geht er in die absolute Dunkelheit. Am Ende bleibt er, wo wir uns verlieren. Am Ende gibt es keinen gottlosen Ort mehr. Am Ende sagt Jesus: „Es ist vollbracht!“

Pastor Matthias Groeneveld


  • Vorbereitung. Musik oder Lieder für die Andacht heraussuchen (Singen; Instrument spielen; Musik auf CD oder im Internet abspielen). Gesangbuch und Bibel bereitlegen. Einen schönen Platz suchen. Zur Ruhe kommen. Eine Kerze anzünden.
  • Anfang. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
  • Psalm. Psalm aus dem Gesangbuch oder Internet lesen. Vorschläge: Psalm 22, Psalm 23, Psalm 36, Psalm 84, Psalm 86, Psalm 118.
  • Gebet.
    Gott, ich will Mut fassen, / dass meine Angst und meine Zweifel weichen. / Ich will leben von deiner Hoffnung / und von deinem Licht, das in mir leuchtet, / durch die Auferstehung deines Sohnes. / Amen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Lesung. Bibeltext lesen. Vorschläge:
    • Johannes 12,12-19 (Palmsonntag)
    • Matthäus 26,36-46 (Montag)
    • Markus 14,3-9 (Dienstag)
    • Matthäus 27,27-30 (Mittwoch)
    • Lukas 22,7-23 (Gründonnerstag)
    • Johannes 19,16-30 (Karfreitag)
    • Markus 16,1-7 (Ostern)
  • Andacht. Andacht lesen oder hören.
  • Besinnung. Die Gedanken bewegen. Die Worte wirken lassen. Vielleicht darüber austauschen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Vaterunser.
    Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe, / wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit / in Ewigkeit. / Amen.
  • Segen. Gott hülle uns in den Mantel seiner Liebe. / Gott schenke uns seine Nähe. / Gott verleihe uns seinen Frieden. / So segne uns Gott, der Vater, / der Sohn / und der Heilige Geist. / Amen.

Es gibt Abende die sind so schön, dass man nicht möchte, dass sie zu Ende gehen. Am Lagerfeuer sitzen, singen, mit Freunden zusammen den Abend verbringen, mit der ganzen Familie am Tisch sitzen, feiern, essen…

Irgendwann gewinnt die Vernunft, die Müdigkeit oder die Gewissheit, dass Verpflichtungen auf einen warten. Manchmal setzt genau dann die Wehmut ein.

„…Bleib bei uns Herr, der Abend bricht herein, es kommt die Nacht die Finsternis fällt ein…“

Mit diesem Lied enden bei uns seit ein paar Jahren die Tischabendmahlfeiern am Gründonnerstag. Ich höre die Wehmut in diesem Lied.

Der schottische Dichter, der die Zeilen 1847 geschrieben hat, starb drei Wochen nach der Vollendung dieses Textes, das dann 1861 vertont wurde.

Es fällt manchmal so schwer loszulassen, zu gehen oder abzugeben. Man möchte festhalten an dem, was einen so sehr erfüllt, und dennoch weiß man, dass man loslassen muss.

Ich kann nur vermuten, was der Abend im Kreis seiner liebgewonnen Begleiter am Gründonnerstag für Jesus bedeutet hat und mit welcher Wehmut er Brot und Wein zum letzten Mal vor seinem Tod geteilt hat.

Wir haben nur den Augenblick, auf alles andere haben wir keinen Zugriff. Und vielleicht gelingt uns dennoch, diese kleinen feinen Momente zu etwas Kostbaren zu machen, von dem wir oder andere noch ganz lange zehren können.

Diakon Kimm Stefan Herlyn


  • Vorbereitung. Musik oder Lieder für die Andacht heraussuchen (Singen; Instrument spielen; Musik auf CD oder im Internet abspielen). Gesangbuch und Bibel bereitlegen. Einen schönen Platz suchen. Zur Ruhe kommen. Eine Kerze anzünden.
  • Anfang. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
  • Psalm. Psalm aus dem Gesangbuch oder Internet lesen. Vorschläge: Psalm 22, Psalm 23, Psalm 36, Psalm 84, Psalm 86, Psalm 118.
  • Gebet.
    Gott, ich will Mut fassen, / dass meine Angst und meine Zweifel weichen. / Ich will leben von deiner Hoffnung / und von deinem Licht, das in mir leuchtet, / durch die Auferstehung deines Sohnes. / Amen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Lesung. Bibeltext lesen. Vorschläge:
    • Johannes 12,12-19 (Palmsonntag)
    • Matthäus 26,36-46 (Montag)
    • Markus 14,3-9 (Dienstag)
    • Matthäus 27,27-30 (Mittwoch)
    • Lukas 22,7-23 (Gründonnerstag)
    • Johannes 19,16-30 (Karfreitag)
    • Markus 16,1-7 (Ostern)
  • Andacht. Andacht lesen oder hören.
  • Besinnung. Die Gedanken bewegen. Die Worte wirken lassen. Vielleicht darüber austauschen.
  • Lied. Singen oder Musik hören.
  • Vaterunser.
    Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe, / wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit / in Ewigkeit. / Amen.
  • Segen. Gott hülle uns in den Mantel seiner Liebe. / Gott schenke uns seine Nähe. / Gott verleihe uns seinen Frieden. / So segne uns Gott, der Vater, / der Sohn / und der Heilige Geist. / Amen.