Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht. (Johannes 13,21-30)

Andacht von Pastor Cord-Michael Thamm

Jesus ist erregt. Er bebt innerlich. Etwas ist anders als eben noch, als er seinen Jüngern ein Beispiel gab, indem er ihnen – jedem Einzelnen – die Füße wusch, „damit ihr tut, wie ich euch getan habe“. Eine Ahnung ergreift ihn. Eine Ahnung von den Dingen, die geschehen werden, ja die geschehen müssen und in dessen Zentrum Jesus steht und sein Lieblingsjünger und der Verräter. Es bedarf also des Verrats, damit geschehe, was geschehen muss. Eine unheimliche, vielleicht auch verstörende Ahnung, die Jesus da erfasst. Und doch überwiegt sein Vertrauen zum himmlischen Vater. „Bitte lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.“

Und der Verräter muss jetzt erfahren, dass Jesus ihn sieht. Dass Jesus seinen Bissen mit ihm teilt. Dass er so auch sein Schicksal mit ihm teilt. Dass auch er also in dem, was er nun tun muss, nicht alleine ist.

Jesus sagt zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“

Die anderen Jünger verstehen nicht. Sie verstehen nicht, warum und wozu. Jesus aber schweigt. Doch sie haben eine Vermutung: Ist es möglich, dass Judas auserwählt ist, sich um das Passalamm zu kümmern? Das Fest muss schließlich vorbereitet werden! Weiter kommen sie in ihren Überlegungen nicht.

Kann es sein, so frage ich, dass Judas durch seinen Verrat, den Prozess gegen Jesus in Gang setzt, der ihn schließlich ans Kreuz bringt und auf diese Weise Jesus zum einzigartigen Passalamm für die ganze Welt wird? „Christe, Du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünd´ der Welt, gib uns Deinen Frieden!“

Ich wünsche Ihnen in dieser Passionszeit viele spannende Glaubensentdeckungen im Johannesevangelium!

Amen

Gebet

Guter Vater im Himmel, / wir sehen Deinen Willen nicht immer sofort. / Manchmal haben wir nur eine Ahnung. / Lass uns erkennen, was Du mit mir und mit der Welt vorhast. / Eröffne eine Perspektive, / die in die Zukunft weist. / Gib mir dann den Mut, das zu tun, was Du von mir forderst / Bleibe bei mir bis an der Welt Ende. / Amen

Segen

Gott segne und behüte Dich. / Gott stärke und führe Dich in der Versuchung. / Gott mache Dich bereit, ihm zu dienen. / Amen.