Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag

Aber, ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19, 25)

Andacht von Prädikantin Bettina Ley

Hiobsbotschaften. Ich höre sie täglich, ich lese sie ständig. Manchmal kann ich sie einfach nicht mehr hören, die Schlagzeilen der Medien, die Hiobsbotschaften der Welt und im Leben.
Hiobsbotschaften! Sie lassen mich beten, lassen mich klagen, lassen mich fragen: Ist da ein Gott?!

Hiobsbotschaften. Sie lassen mich fragen nach dem, nach dem sie benannt sind: Hiob!
Hiob verliert alles: Hab und Gut, Knechte und Mägde, Söhne und Töchter. Hiob, ist arm, verwaist, in Trauer, todkrank. Seine Freunde stellen viele Vermutungen an, warum alles so ist, wie es ist. Sie kommen mit so manchem Ratschlag um die Ecke. Und Hiob? Hiob will nichts davon hören. Er weiß, dass er nichts getan hat, was sein Leid recht-fertigt. Er weiß sich unschuldig. Er streitet mit allem und jedem,

auch mit Gott. Hiob jammert und klagt. Ganz erstaunlich ist, dass Hiob, mitten in seiner Klage über seine unvorstellbare Notlage, ganz plötzlich und scheinbar völlig unpassend, sagt: „Aber, ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt.“ Eben noch schreit Hiob seine Verzweiflung heraus – und dann dieses Bekenntnis. In der größten Verzweiflung taucht bei Hiob die Hoffnung auf, dass es in der Tiefe des Abgrunds Halt gibt. Der Sturz geht nicht ins Bodenlose. Am Ende ist da eine Hand, die uns hält. Am Ende ist Gott da, der uns auffängt. „Aber, ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt“ – das ist ein Satz gegen die Angst, ein Wort, das mitten in der Verzweiflung die Rettung erahnt.

Mit dieser Hoffnung begegnet uns Hiob in dieser Passionszeit.
„Aber, ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt“ – Das ist eine der Stellen, wo bereits im Alten Testament etwas von der Auferstehung durch-scheint, was dann im Neuen Testament hell erstrahlt.
Hiob macht mir Mut mit seinen fast trotzigen Worten. Nicht weil plötzlich alles gut wird, wenn man nur fest genug glaubt oder sich Leiden in Luft auflöst und das Licht der Hoffnung alle düsteren Gedanken vertreibt. Nein! Meine Angst, die Last und die Traurigkeit verschwinden nicht einfach so. Doch eines ist sicher: es gibt ein ABER!

Heute möchte ich mir Hiob zum Vorbild nehmen und mich nicht von den Hiobsbotschaften in den Schlagzeilen bestimmen lassen, sondern von der Gewissheit: „ABER, ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt.“ Welch eine Frohe Botschaft.

Segen

So segne dich Gott, / der Vater, der Sohn, der Geist. / Er schenke dir Hoffnung und Mut zu einem ABER. / Er schenke dir sein Licht, seine Nähe und seine Liebe. / Amen.