Dein Spaziergang beginnt und endet, wo du magst. Wenn dich ein Ort zum Stehenbleiben oder Hinsetzen einlädt, dann mach das. Wenn du magst, liest du dir den Bibeltext und die Andacht für diese Woche durch. Am besten so, dass du es hörst. Halte inne. Bewege die Gedanken in dir. Spüre Gott in dir nach. Er ist bei dir. Ganz gewiss.

Bibelwort zum Sonntag aus dem Lukasevangelium

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Er antwortete und sprach: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“(Lukas 19,37-40)

Andacht von Pastor Matthias Groeneveld

Die Jünger loben Gott. Sie singen, jubeln, tanzen. Dieser bunte Chor, diese Mischung aus unterschiedlichen Typen. Schöne und schiefe Stimmen, vereint im Lob Gottes. Die Jünger haben allen Grund zum Jubeln. Sie erfahren Gottes Liebe zu allen Menschen aus nächster Nähe. Sie erleben die Zeit mit Jesus. Die Zeit der Wanderschaft und der Begegnung, die Zeit des gemeinsamen Essens und der Worte Jesu. Und seiner Taten. All das bringt sie dazu, laut zu singen und zu tanzen, als sie in Jerusalem ankommen. Noch ahnen sie nicht, dass die Zeit des Klagens nahe ist: Die Zeit, da sie schweigen und die Steine schreien. Jesus sagt es ihnen, doch sie hören es vermutlich nicht. Ich sage euch: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Golgatha. Der Ort, an dem die Steine schreien, dieser Ort ist nahe. Doch noch jubeln die Jünger. Und das ist befremdlich. Das ist unheimlich. So manche stören sich daran. Sie wollen diese Leute nicht singen hören. Diese Leute fordern von Jesus: „Bring sie zum Schweigen!“ „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“, entgegnet Jesus. Die Steine werden schreien. Unliebsames zum Schweigen bringen. Das passiert immer wieder. In der Öffentlichkeit erleben wir das mit zunehmender Schärfe. 

Es passiert aber auch in mir. Es passiert in meinem Verhältnis zu Gott.

Loben und Danken haben ihren Platz in meinem Glauben und es fällt mir leicht, dankbar zu sein für die schönen und die guten Seiten in meinem Leben. Es fällt mir leicht, den Sonnenschein in mein Leben zu lassen. Und wenn mir danach ist, danke ich Gott dafür. Genauso hat aber auch das Klagen seinen Platz bei Gott und in meinem Glauben. Zu oft lasse ich in Leid, Schmerz und Trauer lieber niemanden zu mir, auch Gott nicht. Doch ich darf mich beklagen. Ich darf schreien. Ich muss diesen Teil nicht zum Schweigen bringen.

Die Jünger haben es mir vorgemacht. Wir hören heute von ihrem Lob. Doch ihr Klagen und ihre Verzweiflung kennen wir auch; sie tun sich zusammen, trauern gemeinsam in ihren Häusern oder auf dem Weg nach Emmaus. Und die Psalmen haben es mir ebenso vorgemacht. Es gibt Psalmen, die lauthals klagen über alle Ungerechtigkeit, die mir widerfährt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und es gibt Psalmen, in denen das Gotteslob klingt und singt: „Lobe den Herrn meine Seele!“ Das alles hat seinen Platz bei Gott. Unser Leben ist bei ihm aufgehoben. Amen.

Segen

So segne dich Gott, / der Vater, der Sohn, der Geist. / Er schenke dir Hoffnung und Mut. / Er schenke dir seine Nähe und seine Liebe. / Amen.